Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

Für interessierte Gruppen (Geburtstage, Hochzeiten, Jahrgänge, Jubiläen, Ausflüge, Schulklassen, Firmenveranstaltungen, etc.) bieten wir auch Führungen nach Vereinbarung an.
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Das Stadtmuseum Neuffen im »Großen Haus« oder »Schillingschen Haus«

Beschreibung

Das »Große Haus« war lange Zeit ein an der Stadtmauer gelegener Freiadelssitz, genau wie das benachbarte »Melchior-Jäger-Haus. Sein Besitzer war also der damaligen Herrschaft dafür nicht abgabe- oder steuerpflichtig.

Das Haus ist traufseitig an, bzw. auf der Stadtmauer erbaut; der Wehrgang verläuft auf der gesamten Länge innerhalb des Gebäudes. Erdgeschoß und 1. Stock sind als massiver Steinbau ausgeführt. Der 2. Stock in Fachwerkbauweise wurde erst später aufgesetzt. Er ist aus der Renaissance-Zeit und kragt über den steinernen Sockel über. Es existiert ein älterer, quer zum Hause verlaufender, flacher Gewölbekeller, der gut die Hälfte der Gebäudefläche einnimmt. Das Dach ist eine beeindruckende Zimmermannsarbeit; es wurde nach der Renovierung wieder mit den ursprünglichen Biberschwanzziegeln gedeckt.

Das Haus mit seinen zahlreichen Besonderheiten vom Keller bis unter das Dach ist nicht nur eine Zierde für Neuffens Stadtkern sondern ein Juwel, das Seinesgleichen im Altkreis Nürtingen sucht. Es ist eigentlich selbst ein museales Kunstwerk, das allein schon einen Besuch lohnt.

 

 

Geschichte

Am Südrand des mittelalterlichen, fast kreisrunden historischen Stadtkerns steht das »Große Haus«, das an – oder besser gesagt – auf die Stadtmauer gebaut ist. In den wirren Jahren nach dem 2. Weltkrieg war es unter mehrere Besitzer aufgeteilt, die sich natürlich nicht um das Haus als Ganzes, sondern nur um ihren kleinen Bereich kümmerten. Das stattliche Haus litt sehr unter diesem Zustand und war keine Zierde mehr für Neuffen. Schließlich war es so heruntergekommen, dass die Stadt Neuffen einschreiten musste, damit seine Bewohner nicht zu Schaden kamen. Doch erst nach langwierigen Verhandlungen mit den verschiedenen Parteien gelang es, die Immobilie in städtischen Besitz zu bekommen. Das stark einsturzgefährdete Haus wurde mit dicken Balken abgestützt und sollte abgerissen werden. (Foto)

Doch nach einer dendrochronologischen Untersuchung der Eichenbalken (Vergleich der Jahresringe) im Erdgeschoß und im 1. Stock stellte das Landesdenkmalamt 1981 das hohe Alter des Gebäudes fest: Die Eichen wurden anno 1364 gefällt. Das Haus musste folglich in seinem überwiegenden Teil über 600 Jahre alt sein! Es wurde sogleich unter Denkmalschutz gestellt, gründlich untersucht und nach relativ kurzer Zeit grundlegend restauriert, wobei alte Mauern, Fenster und die Bemalung wiederhergestellt oder erneuert wurden.

Stadtbücherei, Heimatmuseum, als neu konzipiertes Stadtmuseum Neuffen unter der Ägide des Stadt- und Kulturrings, fanden darin Platz. Die Kosten für die gelungene Restaurierung betrugen exakt 2.639.261,55 DM. Zur Einweihung gab am 26. 9. 1986 gibt einen feierlichen Festakt, an dem die Bevölkerung in großer Zahl teilnahm.

Das steinerne Erdgeschoß stammt also zweifellos aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Doch der sich im rechten Winkel dazu befindliche Gewölbekeller ist sogar noch älter. Wegen seiner flachen Wölbung darf angenommen werden, dass er sogar in die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert werden kann. Das wäre dann etwa genau die Zeit oder kurz danach, als Neuffen mit einer Stadtmauer umgeben wurde. Beleg dafür ist, dass in das Gebäude der auf der Stadtmauer rundum verlaufende Wehrgang integriert wurde. Er ist bis heute erhalten und zu besichtigen. Einziger Unterschied zur damaligen Zeit: die Schießscharten wurden mit Fenstern versehen.

Wie die verschiedenen Jahreszahlen am und im Gebäude zeigen, wurde es im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. So ließen die Besitzer 1595 das rundbogige Eingangstor verkleinern, bestimmt, weil das Haus zu diesem Zeitpunkt nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wurde. Das Haus wurde aufgestockt, und es entstand der charakteristische Fachwerkaufsatz. Um diese Zeit wurden auch die Innenräume gänzlich neu gestaltet. Die Jahreszahl 1573 im mittleren Raum des 1. Stocks mag dies verdeutlichen. In diesem Zeitraum entstanden beispielsweise die Blocktreppe und die ockerfarben bemalte Decke. Besonders schön sind die mit Butzenscheiben verglasten Fenster mit den Sandsteinsitzen darunter. Einer dieser Sitze präsentiert sich noch den Originalzustand, die anderen sind entsprechend nachgestaltet. Die Außenbemalung mit der grauen Verzierung ist zwar nicht gesichert, doch wurde hier auf ähnliche Gebäude gleichen Alters Bezug genommen. Auf einen erneutern Umbau weist die Jahreszahl 1707 in der Eingangshalle hin.

Heute ist das Haus, an das aus Platzgründen außen eine Treppe angebaut wurde, im Bewußtsein der meisten Neuffener fest verankert. Waren sie zunächst, hauptsächlich ob des großen finanziellen Aufwandes, doch sehr skeptisch, so betrachten sie es heute mit Stolz und freuen sich, daß es, anders als manch ähnliches historische Bauwerk in den Nachbarorten, nicht abgerissen, sondern so hervorragend restauriert wurde.


Jahreszahlen

um 1240               Bau des zum Hause querliegenden, flach gewölbten Kellers

1364                    Neubau des steinernen Hauses als befestigter Freiadelssitz an der Stadtmauer

1573                    Umbau und Fachwerkaufsatz und

1595                    Anbringung der ockerfarbenen Bemalung

1634                    Das Gebäude übersteht die Brandschatzung Neuffens im 30-jährigen Krieg am 27. August

1707                    Erneuter Umbau und jetzige graue Farbgebung des Foyers

1983 - 86             Grundlegende Restaurierung durch die Stadt Neuffen

26. 9. 1986           Einweihung und Einrichtung von Stadtbücherei und Stadtmuseum


Geschichte des Stadtmuseums

1953 kaufte die Stadt für 85.000 DM das ehemalige Finanz- oder Kameralamt, das Melchior-Jäger-Haus, zuletzt Altersheim der Inneren Mission, und trug sich mit dem Gedanken an eine Nutzung als Kindergarten, Jugendherberge, Museum oder als Vereinsräume.

Im ansonsten leerstehenden Haus richtete Stadtpfarrer i. R. Hetzel 1956, zusammen mit einigen anderen historisch Interessierten, in den ehemaligen Wasch- und Duschräumen ein Heimatmuseum ein, »Heimatstube« genannt. Nach Hetzels Tod wurde es durch Oberlehrer Schweizer betreut. Zu sehen waren hauptsächlich von Hetzel selbst zusammengetragene Exponate, vor allem Versteinerungen, Knochen-, Werkzeug- und Keramikfunde aus der näheren Umgebung, aber auch ein kleines Modell vom Hohenneuffen, das wahrscheinlich von Lehrer Loos mit seinen Schülern in den 30ern erstellt wurde und das sich heute in der Hauptschule befindet.

1973/76: Nachdem sich niemand mehr um die heimatkundliche Sammlung im Melchior-Jäger-Haus gekümmert hatte, nahmen sich die an der Neuffener Geschichte interessierten Bürger Dieter Reiss, Herbert Reutter, Heinrich Seewöster und Willi Weiblen der vormaligen Heimatstube an, bauten sie etwas um und zeigten nun in vier Räumen im 2. Obergeschoß des Jäger-Schlößles, neben den bisher ausgestellten Stücken, alte Einrichtungsgegenstände, bäuerliches Kulturgut und Exponate aus dem schwäbischen Raum. Die vorhandenen Räumlichkeiten und der klägliche Zustand des Gebäudes ließen aber eine vernünftige Museumsarbeit kaum mehr zu.

Nachdem beschlossen war, daß das »Große Haus« restauriert werden würde, suchten Stadtverwaltung, Gemeinderat und St+K nach einer entsprechenden Nutzug für das sich nun in städtischem Besitz befindliche stattliche Gebäude. Bald ergab sich, daß im Erdgeschoß die Stadtbücherei, im 1. Stock das Heimatmuseum Platz finden sollte.

So übernahm der St+K diese Aufgabe und richtete das Heimatmuseum als neu konzipiertes Stadtmuseum Neuffen ein, wobei Eduard Kuchelmeister, Heribert Sauter und Heinrich Seewöster die Betreuung übernahmen.


Aufbau, Einteilung in 4 Sachgebiete, herausragende Exponate

Die drei Museumsräume in der 1. Etage gliedern sich in die Bereiche:

– Neuffenener Vor- und Frühgeschichte sowie Geologie der Gegend

– Mittelalter und beginnende Neuzeit

– Anfänge der Industrialisierung und Vereinsgründungen.

Darin sind zum Teil herausragende Exponate zu bewundern, so zahlreiche Funde aus der Vor- und Frühgeschichte (Ammoniten, Belemniten u.a.), die Dioramen vom Steinzeitmenschen »Rulaman«, vom keltischen Zangentor des Oppidums »Heidengraben«, eine Dokumentation der Ausgrabungen der Grabhügel (Burren) auf der Albhochfläche, mehrere Regenbogenschüsselchen oder das hallstattzeitliche Brustgehänge. Von der Blütezeit des Hohenneuffen künden eine vor allem für Kinder faszinierende Ritterrüstung und das für sehr viel Geld auf der Stuttgarter Antiquariatsmesse vom Stadt- und Kulturring erworbene Faksimile der großen Manesseschen Liederhandschrift, bekannt als Codex Manesse. Breiten Raum nimmt das 1954 von einer Arbeitsgemeinschaft der Schüler am Gymnasium Nürtingen erstellte Hohenneuffen-Modell ein. Schließlich ist das 1840 entstandene, noch funktionsfähige Uhrwerk der Kirchturmuhr zu sehen. Daneben wird durch Fahnen und Vereinsexponate die Zeit der Vereinsgründungen beleuchtet. Die Eisenbahn (»Tälesbahn«) und die Stadtwerke Neuffen stehen für die beginnende Industrialisierung und Technisierung; die Inflationszeit ist durch Inflationsgeld, die Neuffener Ehrenbürger sind durch Urkunden, Fotos und Literatur dokomentiert.

Schließlich sei noch erwähnt, daß im Gewölbekeller als 4. Themengebiet eine kleine, aber feine Ausstellung des fast 1000jährigen Neuffener Weinbaus Platz findet mit verschiedenen, im Wengert und auf den Feldern gebrauchten Werkzeugen, Arbeitsgeräten, Butten, Fässern und Fahrzeugen sowie einer Karte, auf der die Weinberge eingezeichnet sind.

 

Öffnungszeiten, Museumsmitarbeiter

Das Museum wird von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des St+K bzw. der Burgführer betreut.

Es ist jeden 3. Sonntag im Monat von April bis Oktober geöffnet sowie auf Anfrage zu besichtigen. Diese Anfrage für eine Öffnung außer der Reihe, auch abends, am Wochenende oder an Feiertagen ist direkt an die Museumsbetreuer zu richten oder telefonisch unter den Nummern (0 70 25) 77 92 (Gerd Güttler) oder 39 65 (Heinrich Seewöster). Dabei können auch Führungen jeglicher Art oder besondere »Events« besprochen und vereinbart werden.


Raum 2: Mittelalter und beginnende Neuzeit

Kommt man durch das prächtige Foyer über die restaurierte Blocktreppe in den ersten Stock, befindet man sich im mittleren der drei Museumsräume. Dabei fällt der Blick zuerst auf eine mehrteilige Schautafelwand, auf der die Geschichte der Familie Schilling von Can(n)statt dokumentiert ist. Davor, in einer Vitrine, liegt die Faksimile-Ausgabe der Manesseschen Liederhandschrift, daneben eine Stiftungsurkunde der Herren von Neuffen aus dem Jahre 1241 samt deutscher Übersetzung. Den Raum beherrscht eine große Glasvitrine mit einem Modell vom Hohenneuffen. Daneben, auf 2 Stellwänden, ist die Geschichte von Gottfried von Neuffen und der Stammbaum der Herren von Neuffen dargestellt. Eher im Hintergrund steht eine Ritterrüstung mit verschiedenem Zubehör. Davor ein Ölgemälde, das die Rückgabe des Hohenneuffen an Herzog Ulrich zeigt, sowie in 2 Vitrinen verschiedene Landkarten und Literatur zu Neuffen und Hohenneuffen.


Stammbaum der Herren von Neuffen und wichtigste Vertreter

Der Stammbaum der Herren von Neuffen geht auf eine Arbeit von Hans-Martin Maurer zurück, der sich erstmals eingehender mit den Wurzeln der hochadeligen Familie derer von Neuffen befaßt hat.

Er zeigt die Ursprünge der Neuffener auf, die auf ein Adelsgeschlecht aus Obersulmetingen zurückgehen. Unter Berthold von Sulmetingen-Böhringen-Sperberseck wird die Burg Sperberseck oberhalb des Dontales erbaut. Sulmetingen ist heute ein kleiner Ort südlich von Ulm. Dessen Sohn Manegold von Sulmetingen-Nyfen gilt als Erbauer des Hohenneuffen. Berthold d.Ä. der Sperbersecker Linie war 1092 schwäbischer Bannerträger, sein Sohn Berthold d.J. unternahm um 1135 eine Jerusalemreise. Die Kinder Mangolds waren Egino (Comes de Niphan), Machtilt (de Nipihn), Ulrich und Leutfried. Ob der von 1160 bis 1222 urkundlich bezeugte Berthold von Weißenhorn-Neuffen ein Sohn oder Enkel des letzteren war, bleibt ungewiß. Auf alle Fälle war der als »Graf« bezeichnete Berthold ein herausragender Vertreter seines Geschlechts. Zu seinem Ansehen maßgeblich begetragen hatte seine Heirat mit Adelheid von Achalm-Gammertingen-Hettingen, einer Nachfahrin der Grafen von Achalm-Gammertingen und der Grafen von Dillingen, die ihm nicht nur Besitz der Grafen von Achalm/Gammertingen, sondern auch Reputation am Kaiserhofe eingebracht hatte. Durch seine Bildung und sein Auftreten gelang es ihm, dieses Ansehen weiter zu mehren. Seine Kinder hießen: Heinrich, Berthold, Mathilde, Adelheid und Albert. Letzterer war der Begründer der bayrisch-schwäbischen Linie der Neuffener. Seinem Sohn Berthold gelang, was der Neuffener Linie immer verwehrt blieb: durch Heirat mit einer Erbin der Grafen von Marstetten erhält er den Grafentitel. Sein Sohn Gottfried war Pfarrer in Weißenhorn und seit 1305 Domkapitular in Augsburg, sein Enkel Berthold von Graisbach-Marstetten Generalprokurator von Bayern und Reichsstadthalter. Da er keinen männlichen Nachkommen hatte, starb mit ihm die bayrische Linie aus. Anna, eine Tochter, ehelichte Herzog Friedrich, den Enkel des bayrischen Kaisers.

Der bedeutendste Vertreter der Schwäbischen (oder Neuffener) Linie war der als »Comes« titulierte Heinrich I. Er heiratete Adelheid von Winnenden, wodurch er zu nicht unbeträchtlichem Gebietszuwachs kam (Winnenden, Rohrdorf, Güglingen) und war für ein Jahr Regent von Schwaben. Er gilt als der Erbauer der Burg Blankenhorn (bei Ochsenbach hinter Ludwigsburg). Er nahm eine einflußreiche Stellung am kaiserlichen Hofe ein. Denn er hatte, gemeinsam mit Graf Anselm von Justingen, den jungen Friedrich, den späteren Kaiser, quer durch Italien und über die Alpen nach Deutschland geholt. Sein Bruder Berthold war Viztum zu Trient (1208), königlicher Protonotar (1212), Probst zu Speyer (1215) und endlich Bischof von Brixen (1217 – 1224); seine Schwester Mathilde Äbtissin des Stifts Obermünster in Regensburg. Die Gatten einer weiteren Schwester Adelheid stammten aus angesehenen Familien: in erster Ehe war dies Graf Konrad von Heiligenberg, in zweiter Ehe Graf Gottfried von Sigmaringen-Helfenstein. Eine nicht näher bekannte Schwester war die Ehefrau des Grafen Heinrich II. von Wartstein.

Die Kinder Heinrichs I. waren: Heinrich II., Gottfried, der MInnesänger, Adelheid, Leukardis und Juta. Unter Heinrich II. wurde Neuffen (um 1232) zur Stadt erhoben. Ihm gehörten Neuffen und Winnenden, während sein Bruder Gottfried Güglingen mit Blankenhorn geerbt hatte. Adelheid heiratete erneut einen Uracher, den Grafen Egino V. von Urach und Freiburg, Juta ehelichte Graf Schenk von Winterstetten, der nach Heinrich I. vom Kaiser ebenfalls zum Regenten von Schwaben ernannt wurde.

Die Kinder Heinrichs II. waren Albert, Berthold, Luitgard sowie eine namentlich nicht bekannte Tochter, die von Gottfried  Rudolf und Maria. Da Berthold (verheiratet mit Richinza von Löwenstein) und Rudolf (verheirat mit Elisabeth von Stratenberg), die beiden Vettern, keine männlichen Nachkommen hatten, starb mit ihnen zum Ende des 13. Jahrhunderts die schwäbische Linie aus. Damit war ein hochadeliges Geschlecht erloschen, das mit seinen führenden Vertretern Berthold und Heinrich I. die deutsche – und damit die europäische Politik durch das Auftreten am kaiserlichen Hof eine zeitlang mitgeprägt hatte.


Der Minnesänger Gottfried von Neuffen

Mit ihm sei ein Angehöriger des Neuffener Hochadelsgeschlechtes herausgegriffen, der keineswegs zu den politisch bedeutenden Vertretern seiner Familie gehörte, in der damaligen Zeit aber, bedingt durch die Freundschaft zum Kaisersohne Heinrich (VII.) an den Kaiserpfalzen verkehrte und dank seiner Reim- und Sangeskunst hochgeachtet war.

„Her Gotfrit von Nifen“, wie er in der »Großen Heidelberger (oder nach dem Züricher Auftraggeber Manesseschen) Liederhandschrift« heißt, war der nach Heinrich II. jüngere Sohn von Adelheid von Winnenden und von Heinrich I. von Neuffen (genannt »comes« = Graf, urkundlich nachgewiesen von 1200 bis 1246). Adelheid von Winnenden war die Tochter von Graf Gottfried von Winnenden.

Der Minnesänger Gottfried von Neuffen ist von 1234 bis 1262 bezeugt. Er könnte zwischen 1212 und 1215 geboren sein, wahrscheinlich auf dem Hohenneuffen. Seine Kindheit verbrachte Gottfried wohl auf dem Schloß. Bald wurde er, wie in der Ritterzeit üblich, zunächst als Page, dann als Knappe zu einem befreundeten Ritter auf eine Nachbarburg gegeben, wo er zum Ritter (von »Reiter« abgeleitet) ausgebildet wurde. Dort lernte er alles, was ein Ritter können musste. Wir wissen, daß er mit seinem Vater Heinrich I. und seinem älteren Bruder Heinrich II. am Königshof Heinrichs (VII.) verkehrte. Bis zur vergeblichen Erhebung des Kaisersohnes gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., waren die Neuffener angesehene und einflußreiche Gäste in den Kaiserpfalzen in Esslingen und Wimpfen. Gottfried und Heinrich waren etwa im gleichen Alter, wohl beide musisch begabt und an Musik, Tanz und Gesang interessiert, so daß zwischen ihnen vielleicht sogar so etwas wie eine Freundschaft bestanden haben könnte.

Gottfried heiratete; doch von seiner Frau kennt man nur den Namen Mechthild, was darauf hinweist, dass es sich um keine adelige Dame handelte. Bekannt aus Gottfrieds Lebenslauf ist weiter, dass er, zusammen mit seinem Vater Heinrich I. und seinem Bruder Heinrich II., in die Streitigkeiten zwischen Kaiser Friedrich II. und dessen Sohn Heinrich (VII.) geriet. Da sie mit dem jungen König befreundet waren, stellten sie sich auf seine Seite, zusammen mit den Grafen von Urach/Achalm und Graf Anselm von Justingen  Als es bei Dettingen zur Schlacht im »Swiggerstal« kam, wie das heutige Ermstal damals genannt wurde, kämpften sie folglich auf Seiten des Sohnes gegen dessen Kaiservater. In dieser Schlacht unterlagen sie dem starken Ritterheer des Kaisers unter dem Konstanzer Bischof von der Tanne und wurden alle als Hochverräter gefangen genommen.

Sie verloren das achalmische Lehen, kamen aber bald gegen Bezahlung einer Auslösung wieder frei, wurden begnadigt und verkehrten später auch wieder am kaiserlichen Hofe. Ihr Einfluß dort hatte aber deutlich abgenommen. Das mag dazu geführt haben, daß sich Gottfried aus dem unbeschwerten, freien, offenen, lauten Hofleben stärker zurückzog, zumal Graf Anselm von Justingen und der Kaisersohn nicht so glimpflich davonkamen. Justingens Burg Hohenjustingen wurde zerstört, und Heinrich als Aufständischer gegen seinen Kaiservater blieb dessen Gefangener, wurde nach Süditalien in ein Turmverlies gebracht und starb dort nach 6 Jahren unter heute noch nicht vollkommen geklärten Umständen.

Der Besitz Heinrichs I. wurde unter seine Söhne Heinrich II. (Neuffen, Winnenden) und Gottfried (Güglingen mit Blankenhorn) aufgeteilt. Rohrdorf hatte er schon 1215 an den Truchsessen von Waldburg verkauft. Gottfrieds beide Kinder Rudolf († 1296) und Maria († 1297) erhielten somit je die Hälfte von Güglingen. Aus Rudolfs Ehe mit Elisabeth von Stratenberg ging mit Elisabeth nur eine Tochter hervor, Marias Ehe mit Ulrich von Magenheim zu Brackenheim blieb kinderlos. Heinrich II. hatte 3 oder 4 Kinder: Albert († schon 1278), Berthold IV. (1268, † 1290), Liutgard († 1299, verheiratet mit Konrad von Weinsberg) und evtl. eine namentlich nicht bekannte, ebenfalls früh gestorbene Tochter. Somit wurde sein Besitz unter Sohn Berthold und Tochter Liutgard aufgeteilt und beide erhielten je die Hälfte von Neuffen-Winnenden. Da Bertholds Ehe mit der Erbtochter Richenza von Löwenstein (die freilich kein Erbe mehr in die Ehe mitbringen konnte, weil es ihr Vater zuvor schon veräußert hatte) kinderlos blieb, verkaufte er 1284 seine Hälfte von Neuffen-Winnenden an den Gatten seiner Schwester, Konrad von Weinsberg, der damit das gesamte Neuffen-Winnenden besaß. Dieser verkaufte die Herrschaft Neuffen samt Burg und allen Orten und Rechten im Jahre 1301 für 7.000 Pfund Heller an den Grafen Eberhard von Württemberg.

Obwohl die Herren von Neuffen teilweise eine bedeutende Rolle in der Reichspolitik spielten, gelang es ihnen, abgesehen von der »bayerisch-schwäbischen Linie« anscheinend nicht, den Grafentitel offiziell zu bekommen – wenngleich sie mehrmals als solche (»comes«) tituliert wurden. Merkwürdig ist auch, daß bis zum heutigen Tage nichts über ihre Grablegen oder wenigstens über ihre Begräbnisorte bekannt ist, wie z. B. bei vergleichbaren Adelshäusern – auch über Gottfried nicht. Später wohnte er bis zu seinem Lebensende auf der Burg Blankenhorn bei der Stadt Güglingen im Zabergäu, von der heute noch die starke Schildmauer erhalten ist. Ebenso wenig wissen wir, wann genau Gottfried gestorben ist; es muss um das Jahr 1270 gewesen sein. Auch über seinen Begräbnisort ist nichts bekannt.

 

Große Heidelberger oder Manessesche Liederhandschrift (Codex Manesse)

In der großen Heidelberger Liederhandschrift (nach dem Herausgeber, dem Züricher Patrizier, auch »Manesse« genannt), in der, zusammen mit ebensovielen Miniaturen, die Lieder von 139 Minnesängern gesammelt wurden, ist Gottfried mit 51 seiner Lieder vertreten. Im Stadtmuseum Neuffen befindet sich ein Faksimile (= Nachdruck) dieses einmalig schönen Buches. Dort ist Gottfried auf einem Bild mit der Dame seines Herzens zu sehen. Freilich darf man dieses Bild nicht als »Fotographie« von Gottfried auffassen, sondern nur als das stilisierte Bild eines Ritters aus der damaligen Zeit. Doch wie kam es, daß ein Ritter einer Burg am Albtrauf zum Minnesänger wurde?

Am Hof der Staufer bei Göppingen und in der Kaiserpfalz in Wimpfen lernte Gottfried den Sohn des Stauferkaisers Friedrich II. kennen, den jungen König Heinrich (VII.), mit dem er sich anfreundete. Man ritt zusammen aus, maß seine Kräfte, sang, spielte, reimte und tanzte am Hofe. Bald erkannte Gottfried, dass er mehr Freude an der Musik und an der Dichtkunst hatte als am ritterlichen Kampf. Er begann, seine eigenen Lieder zur Laute zu singen, deren Texte und Melodien er selbst ersann.

Die meisten seiner Lieder handeln von der Natur und ihren Schönheiten, von Blümelein und Vögelein, vom erwachenden Frühling und warmen Sommer, vom grünen Gras und der Sonne – aber auch vom kalten, grimmigen Winter. Außerdem sang er von der Liebe zu der Dame seines Herzens und von der Anbetung der hohen, unerreichbaren Frauen. Dies ist die »hohe Minne« (Minne = Liebe), die Kunstrichtung ist der Minnesang und die Lieder heißen deshalb Minnelieder.

Während der Ritterzeit gab es viele berühmte Minnesänger, und Gottfried war damals einer der bekanntesten. Heute ist er leider nicht mehr so berühmt; viel bekannter sind heute z. B. Hartmann von Aue oder Heinrich von der Vogelweide.

Damals sprach man noch ein etwas anderes Deutsch als jetzt, das Mittelhochdeutsche, von dem wir heute nicht mehr alles auf Anhieb verstehen. Deshalb hier zwei der bekanntesten Lieder Gottfrieds in unserer heutigen Sprache:


Die Nachtigall, die sang so wohl,

Dass man ihr’s immer danken soll,

Und auch die andern Vögelin. ( = Vögelein)

Da dacht’ ich an die Liebste min, ( = mein)

An meines Herzens Königin.

 

Saelic si diu heide!                                                             

saelic si diu ouwe!                                                             

saelic si der kleinen vogellin süezer sanc!      

bluomen, loup, diu beide                                 

stant in manger schouwe,                                

diu der kalte winter hiure mit sim froste twanc..

dien ist an ir fröiden wol gelungen:                

also möhte ouch ich an minen fröiden widerjungen, 

troste mich ein roter munt nach dem min herze ie ranc.

 

Roter munt, nu lache,

daz mir sorge swinde,

rote munt, nu lache, daz mir sendez leit zerge,

lachen du mir mache,

daz ich fröide vinde,

roter munt, nu lache, daz min herze froh beste.

sit diu lachen mir git hochgemüete,

neina, roter munt, so lache mir durch dine güete

lacheliche, roeselehte: wes bedörfte ich me?


Die meisten seiner Lieder handeln von der Natur und ihren Schönheiten, von Blümelein und Vögelein, vom erwachenden Frühling und warmen Sommer, vom grünen Gras und der Sonne – aber auch vom kalten, grimmigen Winter. Außerdem sang er von der Liebe zu der Dame seines Herzens und von der Anbetung der hohen, unerreichbaren Frauen. Dies ist die »hohe Minne« (Minne = Liebe), die Kunstrichtung ist der Minnesang und die Lieder heißen deshalb Minnelieder.

 

Stiftungsurkunde der Herren von Neuffen

In der Standvitrine liegt neben dem Codex Manesse eine von den drei Herren von Neuffen (Heinrich I. und dessen Söhne Heinrich II. und Gottfried von Nifen) an das Kloster Wald auf lateinisch ausgestellte Urkunde (wie es damals üblich war, mit der deutschen Übersetzung). Sie wurde wahrscheinlich auf der Burg Blankenhorn bei Güglingen ausgefertigt und gesiegelt. Zu sehen sind die Siegel der drei Neuffener, die darin Güter in Burrau, einer abgegangenen Burg bei Reischach, Gemeinde Wald, heute Landkreis Sigmaringen, »zum Heil unserer und unserer Vorfahren Seelen« dem Kloster Wald schenkten. Als Zeugen dieser Schenkung sind mehrere Personen aufgeführt, darunter Graf Ulrich von Helfenstein, Graf Berthold von Marstetten, ein Vetter der beiden Söhne Heinrichs, Ulrich von Sperberseck oder Petrus von Flandern, der Notar des Abtes von Maulbronn.

Die Urkunde ist eine gelungene Reprodukion des Fürstl. Hohenz. Haus- und Domänenarchivs in Sigmaringen.

 

Hohenneuffen-Modell und Geschichte des Hohenneuffen

Das heute im Stadtmuseum zu bewundernde Modell des Hohenneuffen wurde 1953/54 von einer Arbeitsgemeinschaft der Schüler (Kunst-AG) am Gymnasium Nürtingen (heute: Max-Planck-Gymnasium, MPG) unter der Leitung von Kunstlehrer Otto Zondler erstellt. Es soll den (Ideal-) Zustand der Festung nach der barocken Umbauphase im Jahre 1737 dokumentieren. Dieser Ausbau der Festung wurde jedoch nie vollendet! Man kann aber selbst aus den Resten der Ruine noch die vier verschiedenen hauptsächlichen Bauphasen erkennen.

Vor der großen gläsernen Vitrine, auf einer Schautafel, wird das Modell anhand von einer Zeichnung, einem Grundriß und einem Bild aus der Vogelperspektive in seinem ruinösen Zustand von heute anschaulich erklärt. Zu diesem Orientierungsplan heißt es u.a.:

Im 12. und 13. Jahrhundert war der Hohenneuffen die Stammburg der Herren von Neuffen, einem bedeutenden schwäbischen Hochadelsgeschlecht, das im Dienste der späten Stauferherrscher stand und dabei namhafte Persönlichkeiten hervorbrachte. (Romanische Bauphase)

Die Burg der Neuffener Herren umfaßte den Bereich des heutigen Oberen Hofs. Aus ihrer Zeit sind noch die über drei Meter starke Schildmauer samt Burggraben und Teile der Ringmauer erhalten. Die Burg wurde bei der Königsrevolte Heinrichs VII. gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., 1235 belagert, aber nicht gebrochen.

Im 14. und 15. Jahrhundert vergrößerten die württembergischen Grafen, die den Neuffen (samt der Herrschaft Neuffen) 1301 gekauft hatten, die Burg durch eine hohe äußere Ringmauer mit Ecktürmen, von denen aber nur der Torturm (Allewindeturm) erhalten blieb. Der Alb zu wurde im Vorgelände ein weiterer Graben ausgehoben und durch zwei Halbrundtürme gesichert. (Gotischer Ausbau)

In dem langjährigen Streit der Grafen mit den Reichsstädten kam es zu zwei Belagerungen des Neuffen: 1312 durch Esslingen, 1449 durch die Gmünder. Beide überstand die Burg unbeschadet.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Burg um 1550 durch die Herzöge Ulrich und seinen Sohn Christoph zu einer der sieben Landesfestungen ausgebaut (Hohenasperg, Hohenurach, Hohentübingen, Hohentwiel sowie Kirchheim und Schorndorf). Der Bereich zwischen Innen- und Außenmauern wurde aufgefüllt, im Osten der Obere Wall (mit Patroulliergang, Kasematten und unterirdischem Gang) aufgesetzt und im Norden der Vorhof (mit Kornhaus, Kaserne, Kirche und Kasematten) angelegt. Zur Stützung und Sicherung der Außenmauern wurden drei riesige Rundbastionen errichtet, die heute noch das charakteristische Aussehen der Burgruine prägen (Wachtstuben-, Schwarzer und Neuffener Turm). Das Festungstor verlegte man auf den Schwarzen Turm. Es wurde bis 1740 über eine lange, geschwungene, auf sieben steinernen Pfeilern stehende Holzbrücke erreicht, zu deren Schutz der Untere Hof ummauert wurde. Herzog Ludwig, der Sohn Christophs, ließ dazu die Ludwigsbastion sowie einen Pulverturm im Vorfeld erbauen. (Renaissance-Ausbau)

In dieser Zeit war der Neuffen mehrfach bedroht: Als Herzog Ulrich, vom Kaiser in Acht und Bann geschlagen, außer Landes fliehen mußte, ergab er sich 1519 kampflos dem Schwäbischen Bund, öffnete aber 1534 dem zurückkehrenden Herzog Ulrich wiederum gutwillig die Tore (vergleiche das Gemälde an der Wand gegenüber). Im Bauernkrieg wurde der Kommandant 1525 aufgefordert, die Burg den Aufständischen zu übergeben, wurde aber weder angegriffen noch belagert. Nur ein einziges Mal wurde der Hohenneuffen kriegerisch bezwungen: Das war im 30jährigen Krieg, als sich die Festung nach fast 15monatiger Belagerung den kaiserlichen Truppen ergab.

Im 18. Jahrhundert schließlich erhielt die Festung vor 1740 unter Herzog Karl Alexander Vorwerksbastionen mit kasemattierten Wällen und Gräben, statt der hölzernen Brücke die an die Mauern angelehnte, heute noch benützte Fahrstraße am Nordhang mit der untertunnelten Friedrichsbastion und dem abgegangenen Karl-Eugen-Tor. Im Oberen Hof befanden sich Zeughaus, Kommandantur, Staatsarrestantenbau, Schmiede, Zisterne, Stallungen, Bastei mit zwei Verliesen, in denen für 40 Tage der bekannteste Staatsgefangene des Neuffen, der Finanzier Herzog Karl Alexanders, »Jud« Süß Oppenheimer, gefangen saß.

Nach dieser, aus Geldmangel nicht vollendeten barocken Ausbauphase zerfiel die als Gefängnis und Feuermeldeposten benützte Festung zusehends, ohne daß sie direkt in kriegerische Handlungen verwickelt worden wäre, und wurde endlich 1801, genau 500 Jahre nachdem sie württembergisch geworden war, auf Befehl Napoleons aufgelassen und geschleift. D.h. es wurden Balken und Steine abgetragen, zum Teil auch durch die Bevölkerung, was dazu führte, daß man im nahen Hülben noch nach dem 2. Weltkrieg von »Schlößlesbauern« sprach!

Im Zuge einer Rückbesinnung auf nationale Denkmale wurde schließlich die weitere Zerstörung der Ruine verboten, und seit Mitte des 19. Jahrhunderts feierten nicht nur Tübinger Studenten auf dem Berg das Pfingstfest bei Musik und Tanz. Um die Erhaltung der Burg verdient gemacht hat sich der Uracher Forstmeister Graf von Mandelsloh. Erwähnt werden muß ebenfalls der Paulus, der mit seiner These, die großen Rundtürme seien ein Werk Theoderichs des Großen, eine lebhafte und hitzig geführte Diskussion über die Gründung des Hohenneuffen in Gang setzte, der wir letztlich viele bis dahin unbekannten Fakten über den Hohenneuffen verdanken. Abschließend gilt es neben den Neuffener Stadtpfarrern Kapf, Metzger und Hetzel noch den Landskundler Hans-Martin Maurer gebührend zu würdigen, die sich alle um die Erforschung der Geschichte des Hohenneuffen verdient gemacht haben.


(Kanonen-) Kugeln

Unter dem Modell des Hohenneuffen sieht man verschiedene Stein- und Eisenkugeln liegen, die alle von der Burg mit Kanonen, Gewehren (Hakenbüchsen) oder Steinschleudern (Bliden) verschossen wurden. Deren Kaliber von ca. 2 cm bis ca. 28,5 cm Ø und Form weist auf die Art des Verschießens hin.


Ritterrüstung

Auf dem Absatz der nicht mehr weiter nach oben führenden Treppe steht eine nahezu komplette Ritterrüstung mit Visierhelm mit Federbusch, Brustharnisch, darunter dem Waffenrock, mit Arm- und Beinschienen mit Schulter-, Ellenbogen- und Kniekapseln, Handschuhen und Schuhen. Einzig fehlendes Ausrüstungsstück ist das Kettenhemd. Im Hintergrund lehnt ein schwerer Zierschild; die Rüstung ergänzt ein Bidhänder, ein mit beiden Händen zu führendes, langes Kampfschwert.

Für Kinder besonders interessant sind ein einzelner, schwerer Brustharnisch ohne Lederriemen und ein aus dem 15. Jahrhundert stammender Visierhelm in Form eines Schallers, dessen hinteres Ende, wie bei einem heutigen Feuerwehrhelm, krempenartig verlängert ist und damit den Nacken des Trägers schützen soll. Interessant und spannend deshalb, weil diese beiden Objekte von mutigen Pagen und Knappen anprobiert und getragen werden können. Dazu kommt noch ein nachempfundener, schwerer Streitkolben, den sie versuchen können, in ihrer kleinen Hand zu halten.


Ölgemälde

Die auf dem ca. 70 x 90 cm großen Ölgemälde dargestellte Szene schildert die Rückkehr Herzog Ulrichs aus der Verbannung. im Jahre 1537, so wie sie der schwäbische Dichter Gustav Schwab beschrieben hat: Der Herzog, hoch zu Roß und mit kleinem Gefolge, begibt sich auf »seinen« Hohenneuffen, dessen Kommandant ihn nach dem kaiserlichen Bannstrahl vor 7 Jahren so schmälich verraten hat. Kommandant Berthold von Schilling fürchtet die Rache seines ehemaligen und wieder eingesetzten Herrn, die sich in zahlreichen anderen Fällen als sehr hart erwiesen hat. Um ihn milder zu stimmen, bittet er ihn, für den im Hintergrund vor den hohen Festungsmauern zu sehenden, soeben geborenen Nachkommen die Patenschaft zu übernehmen. Der Herzog erweist ihm die Gnade, und die Geschichte geht noch einmal gut aus.

Tatsächlich ist dies aber nur eine schöne Geschichte, denn in Wirklichkeit kann diese Begegnung aus Zeitgründen nicht stattgefunden haben.