Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

Für interessierte Gruppen (Geburtstage, Hochzeiten, Jahrgänge, Jubiläen, Ausflüge, Schulklassen, Firmenveranstaltungen, etc.) bieten wir auch Führungen nach Vereinbarung an.
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Enthüllung des Denkmals von Friedrich II. auf dem Hohenneuffen am 25. Juli 2012

Anfang Juli letzten Jahres hatte Burgherr Axel Vetter, uns, die Burgführer, relativ kurzfristig zu dieser Denkmal-Aufstellung bzw. Enthüllung im Hof der Burgruine eingeladen. Zwar wollten wir sehr gerne seiner Einladung folgen. Doch diese Veranstaltung war, nicht nur in unseren Augen, sozusagen „halboffiziell" und in der Presse nur durch einen kurzen Artikel in der Nürtinger Zeitung angekündigt, so daß die Skepsis unsererseits doch überwog. Auch schien uns die Beziehung vom großen Stauferkaiser zur damaligen Burg Hohenneuffen nicht gerade sehr eng und innig. Denn es ist nahezu ausgeschlossen, daß Friedrich je den Fuß in die Burg gesetzt hat - ganz im Gegensatz zu seinem Sohn Heinrich (VII.), für den die Burg für einige Zeit vielleicht sogar zu seiner zweiten Heimat wurde.

 

Wegen der kurzen Frist schien es zudem so, daß einige der Burgführer aufgrund anderer Verpflichtungen nicht würden teilnehmen können. Somit stand zu erwarten, daß nur ganz wenige von uns den Weg auf die Burg finden würden, wozu wohl auch der frühe Zeitpunkt (17.00 Uhr) beitragen würde.
Positiv überrascht waren wir dann allerdings, als wir uns bei hochsommerlichen Temperaturen im Burghof einfanden und knapp ein Dutzend Burg¬führer auch! Die feierliche Enthüllung miterleben wollten Konrad, Elly, Regine, die Ehepaare Prinz und Sauter, Willy, Gerd und Eugen Schmid. Und sozusagen als Teil des Programms oder der Inszenierung Andreas Schade als „Kyfer von Tiefenbach" mit seiner mittelalterlichen (und realen) Fami¬lie sowie eines Teils seiner Mini¬sterialen, der „Schwabenritter". Die Mitwirkung dieser Gruppe verlieh denn auch der Veranstaltung das mittel¬alter¬liche Kolorit; ohne sie wäre alles etwas blaß geblieben. Doch wie kam es überhaupt zu dieser Enthüllung?

Die Schwabenritter

Drei „Freunde der Staufer", wie sie sich selbst nennen, Christian Siller, Rolf Baumann und Nikolaus Giljum, haben es sich zum Ziel gesetzt, den Stauferkaiser heute wieder überall so populär zu machen, wie er wohl einst einmal war, bzw. bei der Bevölkerung ein tieferes Verständ¬nis für die Staufer allgemein und seinen berühmtesten Vertreter im Besonderen zu wecken. Dazu haben sie schon an einigen Orten in Deutschland 8-eckige Stelen aufgestellt, deren Form an das berühmte Schloß mit den 8 Ecken, Castel del Monte in Apulien, erinnern soll. Ob Friedrich in der heutigen Zeit aber je wieder „Stupor mundi", das Staunen der Welt, genannt werden wird? Auf dem Hohenneuffen nun haben sie, auf eigene Kosten, die Aufstellung eines Abgusses einer Holzschnitzarbeit organisiert, die sich an einer alten Bronzestatue Friedrichs orien¬tiert.

Statue Friedrichs II. (Mitte)

Bei der kleinen, aber recht gelungenen Feier, die eigentlich ein größeres Publikum verdient gehabt hätte, waren neben den Initiatoren und den Burgführern natürlich der Hausherr, Burgwirt Axel Vetter, anwesend, eine Gruppe der Jugendmusikschule Neuffen, die den Festakt mit mittelalterlichen Musikstücken musikalisch umrahmte, der Neuffener Bürgermeister Matthias Bäcker, der dem ehemaligen Herrscher seinen Willkommensgruß entbot, der Burgfalkner Wolfgang Weller und eine Abordnung des schon erwähnten Freundeskreises der Schwabenritter in ihren prächtigen Gewändern und Rüstungen.
Nach einer kurzen Begrüßung ging Christian Siller auf die Vorgeschichte zur Aufstellung der Statue ein. Dazu tauchte er zwar tief in die staufische Geschichte ein, wußte auch viele Details wunderbar zu berichten. Doch, es gelang ihm nicht, eine direkte Verbindung zwischen Friedrich und dem Neuffen herzustellen. Wohl konnte er die vielfältigen Beziehungen der Neuffener zum Hofe des Kaisers erzählen, mußte letztlich aber eingestehen, daß der große Staufer mit ziemlicher Sicherheit nie seinen herrschaftlichen Fuß in die Burg gesetzt hatte. Dafür rief er den Anwesenden und insbesondere den Burgführern einige historisch belegte Tatsachen ins Gedächtnis zurück, so den gefährlichen Zug der Neuffener mit Anselm von Justingen durch ganz Italien und über die Alpen, die Friedrich somit unversehrt nach Konstanz geleitet hatten, oder die Zeit, als der Kaisersohn den Neuffenern zur Erziehung überlassen war und sich daraus vielleicht ein ganz besonderes Verhältnis zwischen ihnen entwickelt hatte. Nach dem Grußwort des Bürgermeisters wurde die keine 2 m kleine, weiße Statue enthüllt und mit ihrem Sockel fest verschraubt. Nun steht er da der staufische Herrscher, im Burghof in der Nähe des Eingangs zum Burgrestaurant, und kann, völlig losgelöst von der Zeit, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachdenken. Dazwischen durfte Konrad völlig überraschend das Wort für die Burgführer ergreifen, und zum Schluß gab es von Axel noch einen kleinen Umtrunk mit etwas Backwerk zum Naschen.

Eulendame Susi

Eine gute Verbindung zur Gegenwart stellte danach der Falkner dar, der mit seinen wunderschönen Tieren zumindest einen Teil der Vergangenheit wieder sehr lebendig werden ließ (und an jedem Sonntagnachmittag werden läßt). Er konnte dabei dem gemeinen Volke sogar Teile des von Kaiser Friedrich geschriebenen Bu¬ches „De arte venandi cum avibus" („Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen") näherbringen. Im Mit¬¬tel¬alter war das Ver-gnügen, auf diese Art zu jagen, den Normalsterblichen natürlich strengstens verboten. An diesem frühen Mittwochabend geschah dies jedoch sogar völlig kostenlos für alle Anwesenden, die sich seine Darbietung natürlich nicht entgehen ließen. In einem kurzen Gespräch wurde dabei auch geklärt, daß sich die Burg¬führer bei ihren sonntäglichen Führungen mehr oder weniger ungehindert auf dem Oberen Wall bewegen können, wenn sie die Flugvorführungen nicht behindern.
Am Ende dieses kleinen Berichts möchten sich die Burgführer noch bei Axel für die Einladung bedanken, auch für die kostenlose Übernahme der Getränke, natürlich auch bei den Initiatoren und Organisatoren sowie bei der Neuffener Jugendmusikschule und den anwesenden „Schwabenrittern" um (Burgführer) Andy. Entgegen unserer Erwartungen im Vorfeld fiel dieser „Event" doch sehr positiv aus. Er hätte aber, wie gesagt, eine größere Resonanz verdient gehabt, auch in der örtlichen und regionalen Presse. Für uns als Burgführer ergeben sich durch dieses „unerwartete Geschenk" ganz neue Möglichkeiten: Wir können ab sofort mit einem sichtbaren Bezug zu Friedrich II. über die Staufer und Kaiser Friedrich berichten, über die Beziehungen der Neuffener zu diesem Geschlecht oder über das Leben am kaiserlichen Hofe.

Ritterlicher Nachwuchs (alle Fotos: S. Schade, Text: G. Güttler)