Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

Für interessierte Gruppen (Geburtstage, Hochzeiten, Jahrgänge, Jubiläen, Ausflüge, Schulklassen, Firmenveranstaltungen, etc.) bieten wir auch Führungen nach Vereinbarung an.
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Die Sage vom Neuffener Esel

Seit alters her sind die Neuffener die „Esel". Zumindest in den Nachbarorten weiß das (fast) jeder. So wie die Beurener „Mucka", die Owener „Moiekäfer" oder die Oberensinger „Sandhase" sind.

Doch wie kamen die Neuffener zu diesem Spott- oder Necknamen? Das weiß kaum einer; sogar manch alter Neuffener muß da passen. Deshalb hier die Geschichte dazu, die sich im 30-jährigen Krieg auf dem Hohenneuffen zugetragen haben soll, als die Festung bekanntlich fast 15 Monate belagert wurde. . .

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren. Da wurde der Hohenneuffen, wie schon öfters, von Feinden angegriffen. Die Tore wurden aber rechtzeitig geschlossen, und sie waren stark und die Mauern hoch, so daß die Besatzung jeden Attacke der zahlenmäßig weit überlegenen Angreifer tapfer abwehren konnte. Bald sahen die fremden Söldner ein, daß ihre Bemühungen sinnlos waren, und sie stellten weitere Versuche, die Burg im Sturm zu erobern, ein. Fortan sollte der Hunger den Belagerern die Tore öffnen! Sie wachten Tag und Nacht, daß niemand Wasser und Nahrungsmittel auf die Burg bringen konnte. Und der Esel, der in Friedenszeiten frisches Wasser aus der Eselsquelle, einem Brunnen auf halber Höhe des Berges, Beuren zu, in Lederschläuchen heraufgeschleppt hatte, mußte arbeitslos im unteren Burghof grasen. So zog Woche um Woche, Monat um Monat ins Land, die Vorräte auf der Burg gingen zur Neige, und die Not der Besatzung wurde immer größer. Selbst wenn jedem schließlich ein Stücklein hartes Brot am Tage reichen mußte und ein Schlückchen abgestandenes, stinkendes Wasser aus der Zisterne, so schrumpften die Vorräte dennoch immer mehr zusammen. Bald waren die Verteidiger so schwach, daß sie kaum mehr ihre Waffen halten konnten. Aber sie ergaben sich nicht und hielten der feindlichen Belagerung weiter stand, auch wenn die Feinde sie mit noch so verlockenden Übergabe-Angeboten ködern wollten.

Endlich, als sie schon ihr letztes Getreide gemahlen, daraus Brot gebacken und dieses aufgegessen hatten, als sie alles Getier, das sonst den Burghof belebte, wie Pferde und Schweine, Kühe und Katzen, Hühner und Hunde, ja sogar Mäuse und Ratten, verzehrt hatten, blieb ihnen nur noch ein Scheffel Korn übrig – und das besagte Grautier. Schon wollten sie in ihrer Not den Esel schlachten und aufessen, da sprach ein alter Knecht: „Haltet ein, Kameraden! Wir wollen ihn erst dann schlachten, wenn wir ihm das Korn gefüttert haben!" Da wunderten sich alle und dachten, der Hunger habe ihm den Sinn verwirrt, schüttelten den Kopf und meinten, das Brot aus dem zu Mehl gemahlenen letzten Getreide hätten sie selbst bitter nötig. Doch als ihnen der Alte seinen Plan erklärt hatte, willigten sie, widerstrebend zwar, ein und taten, wie ihnen geheißen, verfütterten den letzten Scheffel Korn an den Esel, schlachteten das arme Tier und brieten es über dem offenen Feuer.

Den Feinden vor der Burg war die Zeit lang geworden. Auch sie lebten keineswegs in Saus und Braus. Auch sie litten Hunger, denn die Dörfer der Umgebung waren alle schon ausgeplündert, die Felder abgeerntet. Viele von ihnen murrten deshalb immer vernehmlicher und wollten abziehen. Nur die Aussicht auf fette Beute hatte sie noch den Toren gehalten. Als nun gar köstliche Bratendüfte über die Mauern herabzogen, da wurde ihr Unwillen noch stärker. Auf einmal sahen sie, wie von den Verteidigern eine sonderbare Kugel über die Zinnen geworfen wurde. Sie rollte den Abhang herunter und blieb zu ihren Füßen liegen. Es war aber keine Kugel aus Stein. Wie die Landsknechte den Fund näher untersuchten, erkannten sie mit Verwunderung, daß man einen mit bestem Getreide gefüllten Tiermagen auf sie herabgeschleudert hatte! Da verließ sie der Mut vollends. „Wenn die da oben ihre Tiere noch mit Korn füttern können, ehe sie sie schlachten, dann können wir hier unten noch lange ausharren und darauf warten, bis sie sich vor lauter Hunger ergeben." Daraufhin befahlt ihr Anführer, die Belagerung abzubrechen und abzuziehen, und am nächsten Morgen waren die Feinde tatsächlich mit Mann und Maus verschwunden.

Groß war die Erleichterung der Herren vom Hohenneuffen und ihrer Untergebenen, der Soldaten und der Mägde und Knechte. Vor lauter Freude über den glücklichen Ausgang der Geschichte und als Dank für ihre Rettung aus größter Not nagelten sie die Eselsfüße über die Türe vom heute noch erhaltenen Ritterstüble der Burggaststätte. Diese Geschichte sprach sich natürlich im ganzen Lande in Windeseile herum, und seitdem werden die Neuffener von ihren Nachbarn „Eselsfresser" oder „Esel" genannt.

. . . eigentlich ein Name, auf den jeder Neuffener doch stolz sein könnte, oder nicht?