Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

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Die Geschichte der Burg Blankenhorn

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Lage

Die Ruine der Burg Blankenhorn befindet sich oberhalb von Eibensbach, einem Ortsteil von Güglingen im Zabergäu im Landkreis Heilbronn (Baden-Württemberg). Die Burgruine steht auf einem vom Stromberg nach Norden vorspringenden, stark bewaldeten Bergsporn südlich von Eibensbach, der knapp 380 m über Meereshöhe liegt. Nach Süden ist die Burg vom Bergmassiv durch zwei Gräben abgeschnitten.

Die Höhenburg wurde vermutlich um 1220/30 durch die Herren von Neuffen erbaut und kam bis 1327 an die Württemberger. Ihren Namen erhielt die Burg vermutlich durch das Wappen der Neuffener, das drei Hörner zeigt. Sie hatte einst strategische Bedeutung am Rennweg, einem alten Höhenweg auf dem Stromberg. Nachdem dieser seine Bedeutung


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verloren hatte, ging auch die Bedeutung der Burg zur Kontrolle und zum Beherrschen dieser ehemals wichtigen Verbindung verloren. Sie wurde im 15. Jahrhundert sich selbst überlassen, verkam, wurde ab 1479 demontiert und als Steinbruch benutzt.

Dennoch fasziniert die einsame Ruine im Wald auch heute noch. Durch einen Hohlweg geht es hinab zum Bergsporn. Der Wanderer kommt an zwei Erdwällen vorbei und steht plötzlich unvermittelt im ehemaligen Graben vor der Umfassungsmauer und der mächtigen Schildmauer. Der Blick nach oben zur Schildmauer ist schon ein ganz besonderer Moment - wie klein kommt sich doch da der Mensch vor...


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Erbauer

Es ist zu vermuten, daß die Burg als Jagdschloß für Friedrich II. gebaut wurde, der in den Jahren 1211 bis 1220 im Lande war, und daß Heinrich I. von Neifen (oder Nifen) die Burg wegen seiner Verdienste erhielt. Denn Heinrich I. von Neifen war bei der Abordnung der Adeligen dabei, die Friedrich II. 1211 unter gefährlichen Umständen aus Italien holten. Mehr dazu ist bei der Beschreibung der Herren von Neuffen zu finden.

Es könnte aber auch anders gewesen sein: Denn 1180 war das nahe Güglingen noch staufisches Allodialgut, so daß die Ländereien um die Burg Blankenhorn vermutlich nach 1200 als staufische Schenkung an die Herren von Neuffen gekommen waren und Heinrich II. von Neuffen dort mit dem Bau der Burg begonnen hatte.

 

Anlage

Im Mittelalter befanden dich die Fern-Verbindungswege auf den Höhen. Auch der Rennweg auf dem Stromberg führt in der Nähe zur Blankenhorn vorbei. Bedingt durch den Holzbedarf beim Bau der Burg und aus Sicherheitsgründen muß man sich das Gelände hinab zur Burg im Hochmittelalter baumlos und kahl vorstellen. Auch die Höhenwege gingen nicht direkt durch den Wald, so wie heutzutage.

Der Begriff „Schildmauer“ war im hohen Mittelalter nicht bekannt,  wurde aber als „Hoher Mantel“ bezeichnet.

Wer die Blankenhorn baute oder wann genau sie entstand, ist nicht bekannt. Tatsache ist die Anzahl von über 30 Steinmetzzeichen auf den Buckelquadersteinen der Mauern und die Umfassungsmauer vor dem hohen Mantel: Es waren also viele Steinmetze beschäftigt, und man kann daraus schließen: die Burg wurde relativ schnell erbaut, und für den hohen Finanzbedarf innerhalb kürzerer Zeit stand entsprechend viel Kapital zu Verfügung!

Diese Umfassungsmauer vor der Schildmauer ist bei vergleichbaren Burgen in Süddeutschland nirgends zu finden, sondern nur bei Stauferburgen in Italien. Beim Bau der Blankenhorn war also ein Baumeister zugegen, der die südländische Bauweise kannte!

Die Informationen auf der Tafel im Burghof geben wenige Details für den wirklich Interessierten her. Und auch sonst ist in zusammengefaßter Form nur wenig über die einstige Burg bekannt. Sie war auf einem rechteckigen Grundriß errichtet worden, die Schmalseiten lagen im Norden und im Süden. Nach Süden zum Burggraben hin war die Burg von einer 18 Meter hohen und 3 Meter starken, aus Sandstein-Buckelquadern erbauten Schildmauer bewehrt, die heute noch den beeindruckendsten Teil der Ruine ausmacht. Wer genau hinsieht und sich der Rückseite der Schildmauer (also der Angriffsseite) zuwendet, kann noch einige Steinmetzzeichen erkennen, die sich in unterschiedlichen Höhen der Mauer finden lassen. Der einstige Zugang zur Burg lag an der westlichen Längsseite der Anlage, wo ein einfaches Rundbogenportal in den Innenhof führt. Im Südteil der Burganlage befand sich ein viergeschossiges Wohngebäudes (Palas), das an die Schildmauer angelehnt war. Die Anzahl der 2,20 bis 3 Meter hohen Stockwerke ist noch durch Kragsteine und Balkenlöcher im Mauerwerk zu erkennen. Im Norden ist die Anlage weitgehend zerstört, so daß es über den weiteren Gebäudebestand keine Informationen gibt. Einen Turm oder Bergfried scheint die Burg Blankenhorn nicht besessen zu haben. In der Burg sind zudem noch ein Wasserspeierstein, der sorgfältig aufgestellt wurde, die Hofmauer des Palas mit einem Durchgang (romanischer Rundbogen), sowie zahlreiche kleine Fenster, die zum Teil sogar Fenstersitzbänke haben, vorhanden. An der Schildmauer sind zudem noch Auflager für Balken existent, so daß ein Rekonstruieren des Gebäudes und vor allem von der Höhe der Stockwerke her sehr einfach ist. An der Bergseite des inneren Burggrabens befindet sich eine abgeschrägte Futtermauer, die als einzige ihrer Art nördlich der Alpen gilt. Vergleichbare Futtermauern findet man bei den apulischen Burgen aus der Zeit Kaiser Friedrichs II.

 

Weitere Geschichte

Von 1220 ab war Heinrich für die Erziehung von König Heinrich (VII.) verantwortlich. Von 1220 bis 1221 war er sogar ein Jahr lang Regent von Schwaben.

1228 bis 1229 begleitete er Kaiser Friedrich II. auf den Kreuzzug nach Jerusalem.

Heinrich I. von Neifen und sein Sohn, der als Minnesänger bekannte Gottfried´(ca. 1212 bis ca.1279 ), waren ständig auf der Seite des Stauferkönigs Heinrich (VII.). So auch beim Aufstand von König Heinrich (VII.) gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II:

Die Herren von Neifen wurden nach der verlorenen Schlacht im Swiggerstal (dem heutigen Ermstal) im Sommer 1235 gefangen genommen, 1237 wohl aufgrund der Verdienste Heinrichs von Neifen rehabilitiert.

Erst im Jahre 1241 wird die „blanchenhorn“ mit Heinrich I. als Besitzer urkundlich erstmalig erwähnt.

Wahrscheinlich im Jahre 1246, nach dessen Tod, erbte sein Sohn, Gottfried von Neifen, die Burg und Besitzungen in Güglingen.

Er ist der berühmteste Sohn seines Geschlechts. Insgesamt 51 seiner Minnelieder haben die Aufnahme in die Manessische Liederhandschrift gefunden. Mit dem Minnedienst wurde mit einer verheirateten, hochstehenden Dame, die unerreichbar war und bleiben sollte, das Ideal des Hohen und Schönen verehrt. Bedeutend ist die Loslösung von der lateinischen Dichtung der Klöster und die Durchsetzung der deutschsprachigen Lyrik. Gottfried war häufig im Gefolge von König Heinrich (VII.). Nach dessen Niederlage und verlorenem Aufstand führte Gottfried ein zurückgezogeneres Leben. Sein Grabmal ist nicht erhalten.

1253: Gottfried und seine Frau Mechthildis schenkten dem Kloster Maulbronn ein Fuder Wein und ein Malter Weizen vom Güglinger Zehnten.

1255 ist Gottfried Zeuge in einer Urkunde des Klosters Mariäkron (heute Domäne Rechentshofen zwischen Hohenhaslach und Kleinsachsenheim).

Irgendwann zwischen 1262 und 1279 erbten Gottfrieds Kinder Rudolf von Neifen (*vor 1243 und + nach 1297) und Maria von Neifen (verheiratet vor 1293 mit Ulrich von Magenheim) Burg und Güglingen je zu Hälfte.

Rudolf von Neuffen verkaufte 1290 den Zehnten und Kelter von Pfaffenhofen mit aller Gerechtigkeit an das Kloster Frauenzimmern. Das Städtlein Ochsenbach verschrieb er als alter Eigentümer an seine Gemahlin Elisabeth von Stralenberg zur Sicherung des Heiratsguts.

Rudolf von Neuffen gab 1293 dem Kloster Frauenzimmern seine übrigen Güter in Pfaffenhofen.

1295 am 4. April schenkten Rudolf von Neifen und seine Gemahlin dem Kloster Zum heiligen Grab in Speyer das Patronatsrecht in Güglingen „mit aller Zugehörde“. Ihre Tochter namens Elisabeth von Neifen war in erster Ehe mit Konrad IV. von Flügelau verheitatet (+ um 1313). Danach heiratete sie Zaisolf von Magenheim (*vor 1280 und + um 1341).

1296: Rudolf von Neuffen verkaufte (oder verpfändete) seine Hälfte an die Familie von Bruberg. Diese verkauften den Besitz weiter (oder lösten ihn aus) an Konrad von Flügelau (Schwiegersohn von Rudolf).

Am 16. Mai 1296 verkauften Rudolf von Neuffen und sein Schwager Ulrich von Magenheim Güter zu Güglingen und Weiler an das Kloster zum heiligen Grab in Speyer um 318 Pfd. Heller.

Ohne männliche Nachkommen starb um 1300 die schwäbische Linie derer von Neuffen aus.

1313 Konrad von Flügelau vermachte seine Hälfte an Heinrich von Eberstein (bis ca. 1320). Die andere Hälfte vermachte Ulrich von Magenheim (Schwager von Rudolf von Neuffen) an seinen Enkel, Graf Burgin von Hohenberg.

1321 wird die Blankenhorn an das Haus Württemberg verkauft.

1327 am 12. August: Graf Ulrich von Württemberg verkaufte seine Rechte an der Stadt Lauffen, seinen Teil von Magenheim, Brackenheim Güglingen und „blankenheym die vesten“ an den Erzbischof von Mainz.

1420 gehört die Burg wieder Württemberg.

1432/33 wird die Blankenhorn als Pfandschaft an Neipperg übergeben.

1442 Zurechnung der Burg Blankenhorn zum Uracher Teil Württembergs. (Es gab jeweils einen württ. Graf in Stuttgart und Urach.)

1472, am 17. September erhielt der Landhofmeister Hermann von Sachsenheim (*1430, + 1508) die Burg als Mannlehen. Er war Sohn des gleichnamigen Dichters (ca. *1370, +1450, u.a. „Die Mörin“)

1479 Abriss und Verkauf von Holz und Dachziegeln durch Forstmeister Bartel Lutz, danach Verfall der Burg Blankenhorn und Verwendung als Steinbruch.

Ende des 16. Jahrhunderts wird die Burg Blankenhorn als zerstört erwähnt!

Heute ist die Ruine ein beliebtes Ausflugsziel. Sie ist offen und ohne Eintritt ganzjährig zugänglich. Im Hofinneren wurde die schon erwähnte überdachte Grillstelle eingerichtet.

 

Quelle

Alle diese Angaben, der Text und die im Dezember 2009 gemachten Fotos stammen von:

 

Walter Nusko, Rosenstraße 4, 74369 Löchgau, Tel. 07143 18826, Handy 0172 14 75 776

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