Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

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Womit die Ritter kämpften

Ritterliche Bewaffnung und Ausrüstung

Die Ausrüstung eines Ritters veränderte sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte und variierte auch von Ritter zu Ritter, je nach Zeitalter, seinem Stand, seiner Herrschaft und seinem Reichtum oder seiner Armut. Zur Ausrüstung eines Ritters und seinem Gefolge gehörten i.a. Rüstung, Schwerter, Stoßlanzen, Speere, Schilder, (drei) Pferde, ein Knappe und meistens auch noch ein Knecht. Die „Rüstungsspirale" drehte sich auch schon im Hochmittelalter und sorgte für immer wirksamere Angriffswaffen. Besonders (Lang-) Bogen, Armbrust und Hellebarde stellten eine echte Bedrohung für die Ritterheere auf dem Schlachtfeld dar.

 

 

Das Schwert als Symbol des Rittertums

Das Schwert war die wichtigste Waffe des Ritters. Es galt als Symbol von Recht und Herrschaft und wurde als Familienschwert vom Vater an den Sohn weitergegeben. Seiner Bedeutung entsprechend, wurde es bei der Schwertleite dem jungen Ritter mit einer weihevollen Zeremonie übergeben. Seine Qualität entschied beim Zweikampf häufig über Leben und Tod. Es bestand aus einem breiten, zweischneidigen Blatt und war meistens mit einer scharfen Spitze versehen, so daß man es als Hieb- und Stichwaffe verwenden konnte. Das Gewicht einer solchen Waffe betrug ca. 1,3 kg, und die Länge wird meist mit einem Meter angegeben. Die lange Klinge erforderte einen langen Griff und einen schweren Knauf. Die Wucht eines Schwerthiebes hing wesentlich von der Schwerpunktgestaltung ab, natürlich auch von der Kraft, über welche der Ritter verfügte. Die Geschichtsquellen berichten, daß 1053 erstmals durch einen einzigen Schwerthieb ein menschlicher Körper vom Scheitel herab völlig gespalten wurde. (Vgl. die Ballade von Ludwig Uhland: „Als Kaiser Rotbart lobesam. . .")

Eine besondere Form des Schwertes stellten die Bid(en)händer dar, die im Fußkampf eingesetzt wurden. Sie mußten, wie der Name schon sagt, mit beiden Händen geführt werden, konnten länger als 1,5 m sein, wogen fast 3 kg und erforderten natürlich eine ganz besondere Kampfestechnik.

  

Qualität der Waffen

Erwähnt seien noch die Schwerter aus Damaszener Stahl, die nach ihrem ursprünglichen Herstellungsort Damaskus benannt waren und durch mehrmaliges Zusammenschmieden und Hämmern verschiedener Metallsorten sich einerseits durch hohe Festigkeit und Elastizität, andererseits durch nahezu gleichbleibende Schärfe der Klinge auszeichneten.

Das verwendete Material bestimmte die Qualität der Schwerter. Durch Zugabe von Metallen (wie Mangan, Kupfer, Wolfram u.a.) und Nichtmetallen (Schwefel, Kohlenstoff u.a.) wurden die gewünschten elastischen und bruchsicheren Eigenschaften der Waffen erzielt. Die so in den Eisenhütten hergestellten Eisenstangen (Zain) wurden beim Waffenschmied zu Klingen ausgeschmiedet. Häufig wurden Stangen der unterschiedlichsten Materialzusammensetzungen miteinander verschweißt und ausgeschmiedet. Geheimnisumhüllt war die Arbeit des Härtens. Hühnermist und stickstoffhaltiger Urin von Ziegenböcken sollten beim Härteprozeß die Qualität der Klinge steigern. Vom Härter kam die Waffe zum Schleifer, nochmals zurück zum Härter und schließlich zum Schwertfeger, der dem Schwert den letzten Schliff gab.

Fortschritte im Bergbau und im Verhüttungswesen sowie die fortschreitende Arbeitsteilung im Handwerk waren ausschlaggebend für die handwerkliche Meisterschaft der Waffenhersteller. In Deutschland entwickelte sich Anfang des 14. Jahrhunderts Passau zu einem in Europa und im Orient anerkannten Ort der Klingenherstellung. Das Gütezeichen war der Wolf, das Wappentier von Passau. (Noch heute führt ein Klingenhersteller den Wolfskopf als Markenzeichen.) Andere Zentren waren Solingen, Nürnberg und München. Neben Deutschland beherrschten Spanien und Italien den europäischen Klingenmarkt. Orientalische Schwerter waren zwar sehr begehrt, aber nur schwer zu bekommen.

 

Kurzschäftige Hieb- und Schlagwaffen

Beile und Äxte wurden seit der Steinzeit als Werkzeuge und Waffen eingesetzt. Im mittelalterlichen Ritterturnier und im Schlachtgetümmel kämpfte man mit Streitkolben, Streitäxten, Streithämmern, dem Morgenstern und dem Schild als Schutzwaffe (s.u.). Die gefährlichste Waffe war der Streitkolben. Der mit Buckeln oder Spitzen besetzte Kolbenkopf aus Bronze oder Eisen konnte eine Rüstung ohne weiteres durchschlagen und zu schwersten Verletzungen führen. Ähnlich verheerende Wirkungen erzielten die Ritter im Kampf Mann gegen Mann mit der Streitaxt und dem Streithammer. Kämpfte der Gegner mit dem Schild, dann setzte man den Morgenstern ein, eine mit Spitzen gespickte Kugel, die mit einer Kette an einem Griff befestigt war. Eine wenig bekannte Besonderheit war der Dolchstreitkolben, auch Ochsenzunge genannt. Der Kolbenkopf hatte die Form einer geballten Faust, die einen Dolch hielt. Durch diese Kombination wurde der Dolch zur Schlagwaffe. Streitkolben wurden besonders bei Turnieren eingesetzt. Die Handhabung dieser Waffen ist auf mehreren Miniaturen der Manessischen Liederhandschrift dargestellt. (Siehe Faksimile im Stadtmuseum Neuffen)

 

Stangenwaffen

Man kennt Spieße, Wurfspeere und Lanzen als die ältesten Stangenwaffen. Der Schaft wurde meist aus dem Holz der Esche, Eibe, Tanne oder des Apfelbaumes gefertigt. Auf dem Lanzenschaft wurde das Speereisen befestigt. Die Spieß- und Lanzeneisen waren in ihrer Form recht vielfältig. Lange Stangenwaffen (Hellebarden und Piken) waren es auch, die den Niedergang der schweren Reiterei mit herbeiführten. Denn gegen sie waren die auf den (Nah-) Kampf Mann gegen Mann fixierten Ritter nahezu machtlos. Die Turnierlanzen waren ca. 3,7 m lang, 8 bis 9 cm stark und trugen am Schaftende eine kleine Eisenscheibe, das Krönlein. Mit einer solchen Lanze konnte ein geschickter Kämpfer seinen Gegner recht gut aus dem Sattel hebeln und besiegen. Später, bei den Söldnern der Landsknechtsheere, erreichten die Piken eine Länge von bis zu 6 Metern.

 

Der Schild

Der Schild zählte zu den Abwehrwaffen zum Schutz vor Hieben, Schlägen und Geschossen des Gegners. Zuerst waren die Schilde fast mannshoch. Erst später erhielten sie ihre typische, nach unten spitz auslaufende Dreiecksform. Meist bestanden sie aus mehreren Holzlagen, die mit dickem Leder überzogen waren. Der Rand und die Vorderfläche wurden aus Metall gefertigt. Die Vorderseite verzierte man mit dem Familienwappen des Ritters. Mit der Verbesserung der Rüstung wurde der Schild immer kleiner und leichter, gleichzeitig kam er immer mehr aus der Mode. Bis in das 16. Jahrhundert blieb er dennoch als Tartsche, die an der Rüstung befestigt wurde, ein wichtiges Utensil im Turnierwesen. Aber vereinzelt gehörte er auch zur Ausrüstung des Fußvolkes, genauso wie die Setzschilde (Pavesen). Sie wurden in die Erde gerammt und bildeten im Verband eine bewegliche Schutzwand. Mittelalterliche Quellen berichten auch von Kampfschilden, die eine gefährliche Waffe darstellten.

 

Langbogen und Armbrüste als Bedrohung für die Ritter

Wilhelm der Eroberer setzt 1066 in der Schlacht bei Hastings erstmals den Bogen als Kriegswaffe ein. Die englischen Langbogen waren 2 m lang und wurden aus Eibenholz gefertigt. Selbst für einen gepanzerten Ritter stellten diese eine lebensbedrohliche Waffe dar. 6.000 englische Bogenschützen Eduards III. feuerten in der Schlacht von Crécy 1346 in der Minute über 30.000 Pfeile in die französische Schlachtordnung. Ihre Reichweite betrug über 200 m. Dem anschließenden Gemetzel fielen über 4.000 Franzosen zum Opfer. Fortan kämpften englische Bogenschützen für jeden Kriegsherrn, der sie bezahlen konnte. Ein noch treffsicherere Waffe war freilich die Armbrust. Der Schütze brauchte aber, im Gegensatz zum Bogenschützen, viel mehr Zeit für die Vorbereitung eines Schusses. Deshalb suchte er in der Schlacht Schutz hinter einem Setzschild, oder ihm standen Kämpfer mit Hellebarden oder Piken zur Seite, die angreifende Reiter abwehren sollten.

Besonders die Armbrustschützen aus dem Alpenraum (der Schweiz) waren begehrte Kämpfer auf den Schlachtfeldern Europas. Ihre Kampfeswirkung begann bei etwa 350 m. Die Bolzen waren häufig mit Widerhaken versehen und für Mensch und Tier (Pferd) eine tödliche Gefahr. Aus geringeren Entfernungen konnte ein Bolzen jedes Teil einer Rüstung glatt durchschlagen. Diese schreckliche Waffe war seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts bei uns gebräuchlich. Ein päpstlicher Erlaß von 1139 verbot den Einsatz der Armbrust gegen Christen strikt. Ob sich die kriegführenden Parteien aber daran gehalten haben . . . ?

 

Die weitere (Schutz-) Bekleidung

Zur Blütezeit der Ritter trugen diese weder Harnisch noch Visierhelm, sondern ein Kettenhemd. Es war aus Tausenden von kleinen Kettengliedern zusammengenietet, entsprechend schwer – und entsprechend teuer. Die Ärmel liefen in Fäustlingen aus dem gleichen Material aus. Darunter trugen die Ritter eine Art Ledergewand, damit das Kettenhemd den Körper nicht wundscheuerte. Die Beine schützten Kettenstrümpfe. Sie wurden wie gewöhnliche Strümpfe an einem Gürtel unter dem Kettenhemd befestigt.

Auf dem Kopf trug der kampfbereite Ritter eine Ketten- oder Lederkapuze mit Halskragen. Der Scheitel war manchmal durch einen halbkugelförmigen Eisenhelm geschützt, die sogenannte Hirn- oder Beggelhaube. Darüber stülpte der Ritter unmittelbar vor Turnier- oder Kampfbeginn seinen Topfhelm. Dieser war aus Eisenplatten zusammengenietet. Wie sein Name sagt, glich er einem umgestülpten Topf. Er bot zwar guten Schutz, schränkte aber die Sicht stark ein und erschwerte die Atmung. Er wurde deshalb vom Schaller, einem Helm ähnlich den früheren Feuerwehrhelmen, und dem Visierhelm abgelöst.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde der Kettenpanzer teilweise durch den Spangenharnisch ersetzt, später durch den Plattenharnisch. Ersterer bestand aus einzelnen Eisenspangen, die auf ein Lederwams genäht waren. Erst um 1400 begann sich der Plattenharnisch durchzusetzen, der uns heute als die typische Ritterrüstung erscheint.

Damit man die kampfbereiten, von Kopf bis Fuß verhüllten Ritter voneinander unterscheiden konnte, trugen sie ihr Wappen auf dem (Wappen-) Rock, auf dem Schild und auf dem Helm. Diese bunte Helmzier hieß Kleinod oder Zimier.

Die gesamte Ausrüstung eines Ritters wog etwa 25 kg und mehr und kostete zusammen mit dem Pferd ein beträchtliches Vermögen. Daher wurde die Rüstung sorgfältig gepflegt und ebenfalls vom Vater auf den Sohn weitervererbt.

 

Pferd oder Roß

In Ritterkreisen unterschied man zwischen Pferd und Roß. Neben Rüstung und Schwert war das Streitroß (dextrarius) der wertvollste Besitz des Ritters. Es war ein kräftiges und ausdauerndes Tier, das zudem sehr wendig und schnell sein mußte. Durch das Aufkommen stärkerer Waffen wurde im 14. Jahrhundert sogar den Pferden eine Rüstung angelegt, die jedoch ihre Bewegungsfreiheit fast völlig einschränkte. Außer dem Streitroß besaß der Ritter noch ein Marschpferd (palefridus) und ein robustes, kurzbeiniges Packpferd, das die Rüstung, die Waffen und die Verpflegung trug. Diese 3 Pferde kosteten, je nach Qualität des Streitrosses, genauso viel wie 45 Kühe.