Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

Für interessierte Gruppen (Geburtstage, Hochzeiten, Jahrgänge, Jubiläen, Ausflüge, Schulklassen, Firmenveranstaltungen, etc.) bieten wir auch Führungen nach Vereinbarung an.
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Gewichte, Maße, Währungen

Allgemeines

Einleitung

Münzen, Maße und Gewichte konnten von Herrschaft zu Herrschaft – und damit sogar von Nachbarort zu Nachbarort – verschieden sein – und das, obwohl sie die gleichen Namen hatten und, was die Münzen betrifft, womöglich sogar genau gleich aussahen! So gab es immer wieder schon allein aus diesem Grunde Streitigkeiten über das „richtige Maß und Gewicht“. Aber natürlich auch deshalb, weil unehrliche, nur auf Betrug und eigenen Gewinn bedachte Charaktere eigentlich geeichte Maßstäbe und Gewichtssteine veränderten. Auch Münzbetrug kam immer wieder vor. Doch der wurde oft mit allerhöchstem staatlichen Segen betrieben – erinnert sei hier nur an die Münzverschlechterung unter Herzog Ulrich von Württemberg, die u.a. zum Aufstand des Armen Konrad führte, einem Vorläufer des großen deutschen Bauernkriegs, oder an den uns allen wohlbekannten Finanzier Herzog Karl Alexanders, Süß Oppenheimer, der nicht nur die Steuerschraube immer stärker anzog und immer neue Abgaben erfand, sondern der zu Gunsten seines Herrn, aber zu Lasten von dessen Volk, auch immer mehr immer wertlosere Münzen prägen ließ. Ähnliches mußten die Untertanen des Deutschen Reiches etliche Jahrzehnte später mitmachen – freilich wurden jetzt statt Mün-zen Scheine in so großer Zahl gedruckt (wie bekannt, ja auch in Neuffen), daß – ausweislich des TB-Kassen-buches – ein Ei 20 Millionen kostete! Und man deshalb wieder wie früher sehr gerne mit Naturalien (Kirschengeist) bezahlte (s.u.).

 

Der Ursprung des Wortes Geld

An jedem Monatsende lautet(e) bei vielen die bange Frage: Woher soll das Geld kommen? Diese Antwort muß jeder für sich selbst finden; ganz allgemein läßt sich jedoch beantworten, woher das Wort Geld kommt. Nämlich von dem Wort gelten. Geld ist etwas, das gilt. „Geld regiert die Welt“, sagen nicht nur Kulturpessimisten. Doch wenn einem die Mittel zum Bezahlen fehlen, reicht’s vielleicht auch heute noch für ein herzliches „Vergelt’s Gott!“ – der Herr im Himmel möge für mich bezahlen. . . Denn auch das Verb vergelten gehört in diese Wortfamilie. Der Begriff Geld in seiner frü-hen Bedeutung von Vergeltung, Bezahlung, Abgelten, Einkommen, auch Opfer (das Entgelt für die Gunst der Götter) bezog sich insbesondere auf Steuern und Zinsen, von denen es schon damals sehr vielfältige gab. So war die Gült die jährlich zu leistende Abgabe, vor allem auf Grundbesitz. Mangels (Münz-) Geldes mußte der Bauer in alter Zeit seine Schulden in Naturalien begleichen.

Sprachlich gesehen stammen die Münzen aus dem Lateinischen. Aus moneta, dem gemünzten (geprägten) Geld, ab-geleitet ist nicht nur unser umgangssprachlicher Begriff Moneten, die man hat oder eben nicht. Auch die Franzosen verdanken den alten Römern ihr monnaie und die Engländer ihr money, also ihr jeweiliges Münzgeld (und von dort wiederum besonders die Schwaben ihr Portemonnaie). Näher dran an der Münze sind die Briten mit der Royal Mint, der Königlichen Münzprägeanstalt, und die Schweden mit mynt.

Das Lateinische hat die Münzen auch in anderer Weise (doppelt) geprägt: Bis in die Neuzeit hinein sind Inschriften auf deutschen Münzen keineswegs in deutscher, sondern in lateinischer Sprache abgefaßt. Latein war ganz selbstver-ständlich die Sprache, in der die Gelehrten schrieben und mit Partnern in aller Welt kommunizierten und disputierten. Latein war Weltsprache. Sie galt, wo auch das Geld galt, überall. Und die Grundlage seiner Bildung erwarb der auf-strebende, junge Mann auf der Lateinschule, die noch vor der deutschen Schule eingerichtet worden war (wie z.B. auch in Neuffen).

Mit der Inschrift auf einer Münze, egal ob auf Deutsch oder Latein, hätte die große Mehrheit der kleinen Leute hier-zulande eh nichts anfangen können. Sie war des Lesens und Schreibens unkundig. Erste deutsche Inschriften kamen im 16. Jahrhundert auf, blieben aber bis ins 18. Jahrhundert eher selten. Was heute wichtig ist und gelegentlich erheb-liche Wertunterschiede einer Münze ausmacht, sind die Jahreszahlen, die das Prägejahr nennen. Dies war früher völlig unwichtig. Ein Pfennig war ein Pfennig und eben einen Pfennig wert (vorausgesetzt, der Metallgehalt stimmte). Die ersten Jahreszahlen tauchten im Hochmittelalter auf. Ein dänischer Silberdenar von 1248 gilt als ältestes Beispiel dafür. In Deutschland hat man erst im Jahre des Herrn 1372 damit begonnen. Inschrift und Jahreszahl waren natürlich lateinisch geschrieben: Anno Domini MCCCLXXII. Jahreszahlen in arabischen Ziffern kamen erst im 15. Und 16. Jahrhundert auf.



Zahlungsmittel in Württemberg, Deutschland und in Teilen Europas

Schillinge und Denare unter Kaiser Karl dem Großen

Das Wissen „der“ Deutschen war zur Zeit Karls des Großen sehr begrenzt, selbst Bischöfe und Äbte konnten keines-wegs immer lesen und schreiben! Deshalb ordnete Karl die erste „Bildungsreform“ in Europa an und berief führende Köpfe Europas an seinen Hof nach Aachen. Er reglementierte Maße und Gewichte und ordnete das Münzwesen. Es gab Schillinge und Denare, die erste europaweite Währung, einen allerersten Vorläufer des Euro sozusagen! Den De-nar gab es seit dem 8. Jahrhundert im Karolingerreich. Er war ursprünglich ein Silberpfennig und bis zum Ende des 13. Jahrhunderts Hauptzahlungsmittel in zahlreichen Ländern Europas. Diese Pfennige wurden i.a. nicht gezählt, son-dern gewogen. Ein Pfund Pfennige war also die Maßeinheit und bezeichnete eigentlich den Silbergehalt (und damit damit den Wert des zu 240 Münzen geprägten karolingischen Pfundes Silber) dieses Zahlungsmittels.

„Die“ Deutschen gab es aber auch noch nicht, da „das“ Deutschland nicht so existierte, wie wir es heute kennen. Doch wurde der Begriff Alemannien oft für Deutschland gebraucht. Karl starb 814. Seine Nachkommen stritten sich um den Kaiserthron.

Die Hellerwährung

(besteht vor und neben der Guldenwährung seit mindestens 1228 bis etwa 1650). Später waren bei uns im Lande und in ganz Deutschland i.a. die aus Silber geprägten Schillinge (Abkürzung: ß) und Heller (h) Zahlungsmittel. Das Pfund Heller (lb h) war dagegen keine reale Münze, sondern nur eine (gedachte) Rechnungseinheit. Der Heller stammt be-kanntlich aus dem Hall des beginnenden 13. Jahrhunderts (das damals noch nicht „Schwäbisch“ war, evtl. auch schon aus der Zeit Kaiser Barbarossas). Hall als alte Reichsstadt besaß das Recht zur Münzprägung – ein königliches Re-gal, ein Recht, das die Stadt Neuffen deshalb leider nicht bekommen hatte! (Auch wenn es viele hundert Jahre später zu einer nicht ganz adäquaten und deshalb nicht unbedingt stolz machenden Ausnahme kam, nämlich dem Recht, in der Inflationszeit 1923 eigenes Notgeld zu drucken.) Dies trotz der anderen, mit der Stadtwerdung einhergehenden Rechte (wie Ummauerung, Markt und Gerichtsbarkeit). Sonst hätte es früher vielleicht keine Heller, sondern Neuffener als Zahlungsmittel in Württemberg und ganz Deutschland gegeben! Seit 1228 wurden, von Kaiser Friedrich II. beson-ders gefördert, in Hall diese silbernen Münzen geprägt, die Haller Pfennige, durch ein Kreuz mit 4 Punkten im Winkel auf der einen, einer Hand auf der anderen Seite charakterisiert, kurz Haller oder Heller genannt. Im Laufe der Jahr-hunderte nahm der Silbergehalt des Hellers jedoch immer mehr ab, verlor er durch Beimischung von Kupfer immer mehr an Wert, wurde aus dem ehedem weißen der (sprichwörtliche) rote Heller, der nichts mehr wert war. Hatte der Heller bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts einen großen Einflußbereich gewonnen, so galt er danach als besonders schlechtes Geld, was Paps Gregor IX. dazu veranlaßte, Friedrich II. als den „neuen Münzfälscher“ anzuprangern.


Die Guldenwährung (Gulden als allgültiges Zahlungsmittel von etwa 1550 bis 1875)

Der Gulden (= der aus Gold Geprägte) kam nach 1350 bei uns anstelle des Pfundes auf, sicherlich auch deshalb, weil er eine reale Münze darstellte. Seine Abkürzung fl (= florin) weist indirekt auf seinen Ursprung hin, die reiche Handels-stadt Florenz. Dort gab es ihn seit 1252, und er war im Mittelalter die wichtigste Goldmünze überhaupt. Er wurde dort als Florin geprägt (benannt nach dem Lilienwappen der Stadt Florenz, daher die Abkürzung fl) und kam als Goldmün-ze von 20 mm Ø bald nach Mitteleuropa und auch nach Deutschland. Um 1350 entsprach der Gegenwert eines Gul-dens dem Lohn eines Handwerksmeisters für zwei Wochen Arbeit. Im Laufe der Jahrzehnte nahm auch sein Wert je-doch immer mehr ab, und im 15. Jahrhundert wurde er nicht mehr aus Gold, sondern aus Silber geprägt.

Vgl. den Taler, ab dem 16. Jahrhundert ein gleichwertiges, offizielles Zahlungsmittel (in Joachimsthal aus Silber ge-schlagen, daher: (Joachims) T(h)aler), und den Dukaten.

Der Batzen

Später trat der Batzen neben den Gulden. Der Batzen, deutlich wertvoller als der Heller (vgl. das Lied „Ein Heller und ein Batzen“ – die waren beide mein. Der Heller ward‘ zu Wasser, der Batzen ward‘ zu Wein“), war eine Berner Silber-münze. Ende des 15. Jahrhunderts das erste Mal geschlagen, nach dem Berner Wappentier, dem Bären (oder Bätz) benannt, wurde er schon 1498 in Süddeutschland erwähnt. Er verschwand aber nach 1559 aus dem Geldverkehr.

Die Kreuzerwährung

Der Kreuzer (mit einem Kreuz auf der Rückseite, daher der Name) wurde erstmals 1272 in Meran geprägt und löste in der Mitte des 16. Jahrhunderts Schillinge und Heller ab. Letztere hießen nun manchmal auch schon Pfennige und waren später aus Kupfer – und sahen damit fast schon so aus, wie wir Heutigen den Pfennig noch aus der DM-Zeit in Erinnerung haben.

Vgl. den Deut, eine Kupfermünze des 17. Und 18. Jahrhunderts.

Die Markwährung

Von März 1875 an gab es in ganz Deutschland endlich eine einheitliche Währung: die Mark.

 

Soweit der Überblick über die bei uns ehemals gültigen „Währungen“ und die dazu ausgegebenen Münzen. Doch sagt dies allein nichts über den damaligen tatsächlichen Wert des Geldes aus. Man wußte zunächst wohl, wieviel vom je-weiligen Metall (z.B. Gold) für die Prägung einer Münze gebraucht wurde und wieviel bei einem entsprechenden Me-tallpreis (z.B. Goldpreis) die Münze folglich wert war. Doch erst in Verbindung mit den Preise für von jedermann käuflich zu erwerbenden Dingen des täglichen Bedarfs, wie einem Laib Brot, Butter oder Eiern, ist eine Aussage über den Wert des Geldes möglich. Aber auch dieses Wissen reicht noch nicht aus, um den Geldwert vergleichen zu können. Ebenso muß man in Betracht ziehen, wie hoch damals die Löhne für bestimmte Arbeiten waren und was sich der einzelne bei einer entsprechenden Arbeitszeit als Gegenwert für seine Arbeit kaufen/leisten konnte. Dadurch erst wird auch ein Vergleich mit späteren Zeiten möglich, weil das Geld immer mehr an Wert verlor. Sehr schön wird dies an den Beispielen aus der Inflationszeit von 1923 im Stadtmuseum deutlich. Deshalb auch im Anschluß an die Ta-bellen einige Vergleichszahlen aus der (spät-) mittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Arbeits- und Lebenswelt.

Vergleich und ungefährer Umrechnungskurs der Währungen (Umrechnungen nach Baumann, s.u.)

Münzen                                   1557

      1 Schilling (ß)         =    12 Heller (h)            ~    2 Kreuzer (x oder kr)

1 Pfund Heller (lb h)      =  20 Schilling (ß)         =  240 Heller (h)            ~  43 Kreuzer (x)

                                           1 Kreuzer (x)         ~      6 Heller (h)            ~     3 Pfennig (Pf)

      1 Batzen                =      4 Kreuzer (x)         ~    24 Heller (h)            ~   12 Pf  (Umrechung

1 Gulden (fl)                 =  15 Batzen                 =    60 Kreuzer (x)         ~  360 Heller (h)            ~ 180 Pf  lt.Baumann)

Markwährung                          seit 1875

1 Mark (M)                    =  100 Pfennig (Pf)                               1  Gulden (fl)    ~   1,71 Mark

.                                                                                              1  Kreuzer (x)    ~   2,86 Pfennig

 

Weitere Münzeinheiten, die als gleichwertig erachtet wurden,

waren die oberitalienische Marcella (= 1 Marcel) und der im niederdeutschen Raum geschätzte Schreckenberger      (= 1 sächsischer Groschen = 1 Marcel) sowie der niederdeutsche Stüber (24 Stüber = 1 fl).


Längen-, Flächen- und Raummaße

Längen- und Flächenmaße

Die gebräuchlichen Längen- und Flächenmaße orientierten sich fast immer daran, wieviel eine Person am Tage lei-sten konnte, bzw. an den verschiedenen (durchschnittlichen) Körpermaßen. Doch auch hier standen sich viele gleich-lautende Maße mit unterschiedlichen Werten gegenüber. Zudem gab es oft regionale Besonderheiten, die schon in der allernächsten Nachbarschaft nicht allgemein bekannt waren. Als Beispiel hierfür sei der Vierling Garten aufgeführt, ein Gartenmaß, mit dem in Böhringen gerechnet wurde, welches freilich nicht amtlich war und wahrscheinlich deshalb schon in den umliegenden Orten nicht benützt wurde.

 

Längenmaße                           1557                                                    seit 1806

                                                               1  Linie                                =   0,286 cm

               1 württ. Zoll  =     2,390 cm     10 Linien         =       1 Zoll      =   2,865 cm

1 württ. Fuß     = 1 w. Fuß    =   12 württ. Zoll   =   28,650 cm                           =     10 Zoll       = 28,650 cm

1 Pariser Fuß                                                   =   32,481 cm

1 Rute              = 16 Fuß       = 192 württ. Zoll   = 458,000 cm                           =   100 Zoll       = 286 cm      = 10 Fuß

                                                                                                  1 Elle                                   =   61,40 cm

                                                                                                  1 Meile         =  2.600 Ruten  =    7,4480 km

                                                                                                  1 Stunde      = 13.000 Fuß    =    3,7250 km

1 Klafter, ursprünglich ein Längenmaß für die Spannweite der Arme, 1,70 – 2,91 m, jetzt Raummaß für Holz, s. dort.

 

Flächenmaße                          1557                                                    seit 1806

                         1 (Quadrat-) Rute         =     21,01 qm

   1    Morgen   = 150 QR          = 31,52 Ar        = 3152 qm        = 383 QR  =  31,52 Ar   =   3152,0 qm

1 Tagwerk        = 1,5 Morgen    = 225 QR          = 47,28 Ar        = 4328 qm        = 1,5 M     =  47,28 Ar   =   4728,0 qm

1 Jauchert        = 1,75 Morgen  = 262,5 QR       = 55,16 Ar        = 5516 qm        1 Quadratmeile             = 55,483 qkm

= 1 Mannsmahd

1 Tagwerk Wiesen 1,25 M = 39,4 Ar (2mähdig) 1,5 M = 47,28 Ar (1mähdig)

 

Hohlmaße

Genau aufpassen muß man zudem bei den Hohlmaßen. Und hier gleich doppelt und dreifach: Denn es gab Hohlmaße für Flüssigkeiten und Getreide. Wobei auch hier immer das Württembergische Maß angegeben ist. Diese Maßein-heiten wurden sozusagen mit der 1. Württembergischen Maßordnung von 1557 das Maß aller Dinge, also amtlich.

Eine Änderung dieser Ordnung gab es erst wieder rund 250 Jahre später durch die 2. Württembergische Maßordnung aus dem Jahre 1806, also aus der Zeit des württembergischen Königreichs.

Zudem unterschied man beim Getreidemaß zwischen der Hauptbrotfrucht, dem Dinkel, und dem Haber (dem Hafer). Schließlich galt es noch, die wertlose Spreu zu berücksichtigen, wobei ja heute noch „die Spreu vom Weizen“ getrennt wird, und die im vorliegenden Beispiel mit 20 % abgezogen wurde; übrig blieben dann die nackten Körner ohne Spreu (= die Kernen).

Und endlich gab es noch ein Raummaß für das im Wald zu machende Holz, Klafter genannt.

 

Tabellen

siehe nächste Seite!

 

 

 

Hohlmaße (Getreide, Heu, Stroh)                                            1557

                                                      1 Achtel     = 2,77  l

     1 Vierling (Imi)       =     2 Achtel     = 5,54  l

     1 Simri        =   4 Vierling                 =     8 Achtel     = 22,15 l     =  10 kg Dinkel oder 12 kg Haber

1 Scheffel        =   8 Simri        = 32 Vierling                 =   64 Achtel     = 22,15 l     =  80 kg Dinkel oder 96 kg Haber

1 Fuder            = 80 Bündel      = 120 Garben                = 800 Schäub (?)                =  16 Zentner Stroh

1 Wanne                                                                                                               =  11 Zentner Heu oder Öhmd

 

Hohlmaße (Flüssigkeiten: Wein)                                             1557

                                                                     1 Schoppen        =       0,459  l

                               1 Maß      =       4 Schoppen        =       1,837  l

                              1 Imi          =    10 Maß       =     40 Schoppen         =     18,370  l

    1 Eimer        =  16 Imi           =  160 Maß       =   640 Schoppen         ~   293,930  l      =    2,939  hl

1 Fuder            =  6 Eimer        =  96 Imi           =  960 Maß       = 3840 Schoppen         ~ 1763,500  l       =  17,635  hl

 

Holz (Schichtholz)                              1557                                                    seit 1806

1 Klafter           =  4 x 6 x 6 Schuh (T x B x H)   ~   1,15 m x 1,72 m x 1,72 m     ~    3,386  Raummeter

 

Gewichte

Wie schon erwähnt, konnten die Gewichte von Nachbarort zu Nachbarort verschieden sein, von Herrschaft zu Herr-schaft oder später von Amt zu Amt waren sie es fast mit Gewißheit. Dies, zusammen mit den unterschiedlichen Münz-werten, war für die Expansion von Handel und Gewerbe lange Zeit ein riesiges Hemmnis, das in Deutschland erst 1806 bzw. 1833 mit einheitlicher Währung und gleichen Gewichten beseitigt werden konnte.

 

Gewichte                                 1557                                                                 seit 1806        ab 1833

                          1 Quentle      =        3,65  g

                              1 Lot     =      4 Quentle      =      14,61  g                           1 Zentner  = 100 Pfund

        1 Pfund    =  32 Lot     =  128 Quentle       =    467,58  g    =    0,466  kg   100 Pfund = 500 g

1 Zentner          =  100 Pfund                                                   =    46760   g    =  46,760  kg     46,76 kg  = 50  kg

Verdienst und Kaufkraft

Einige Zahlen aus verschiedenen Jahrhunderten zum Vergleich:

1311                 für 1 fl:    20 Eier                      für 2 fl:  20 Brote oder 1 Huhn               für 3 fl:  1 Gans

1526                 für 1 fl:    10 – 12 l Wein            für 1 fl:  6 Pfund Fleisch oder 40 Brote für 1 fl:  8 Pfund Butter

1569                 für 1 fl:    1 1/3 Scheffel Dinkel

1621                 für 1 fl:    nur noch 1 Scheffel Dinkel

1800                 für 1 fl = 360 h: 60 Eier             (???)                                                               für 1 fl: 3 Pfund Butter

 

Am Beispiel der Eier und der Butter sieht man, daß es auch damals schon Inflation gab. So nahm die Kaufkraft von 1526 bis 1800 auf ungefähr 1/3 des Wertes ab.

Es folgt ein Vergleich mit Zahlen von vor etwa 50 Jahren, als man noch mit der guten alten und harten DM bezahlte und an den Euro (€) noch nicht zu denken war. Dabei wurde die Kaufkraft der DM von 1967 mit derjenigen der Schil-linge und Heller von etwa 1450 bis 1550 in Relation gesetzt. Während die beiden ersten Umrechnungen Schätzwerte sind, galt der Umrechnungsfaktor in der 3. Zeile vom 5. März 1875 tatsächlich. Doch dauerte es einige Zeit, ehe sich die neue Währung im Volke durchsetzen konnte. Diese anfängliche Abneigung konnte man übrigens auch erleben, als vor wenigen Jahren der Euro die DM ersetzte – wir wissen dies alle noch.

 

              1 ß         =        12 h        ~          5,40 DM       =            2,70 €

            20 ß         =      240 h        ~      108,00 DM        =          54,00 €

              1 fl                                 =          1,71 Mark     =            0,85 €

 

Ein Wirt durfte um 1550 für ein aus Suppe, Siedfleisch, Gemüse und Braten bestehendes Mittagessen 8 x verlangen. Dabei verdiente um diese Zeit ein Meister im Sommer 50 h (= 10 x), ein Taglöhner um die 20 h.

 

Die auf der nächsten Seite folgenden wenigen Zahlen lassen erahnen, daß es für unsere Altvorderen einen Kampf ums tägliche Brot gab, den viele, ihrer großen Kinderzahl wegen, nicht gewinnen konnten. Es wird nun auch verständ-lich, daß viele Familien auf einen Nebenerwerb, z.B. in der Landwirtschaft, unbedingt angewiesen waren, daß fast im-mer die Kinder mitarbeiten mußten (und nicht zur Schule gehen konnten) und daß – wenn die existierende Not zu groß wurde – viele Familien zum Auswandern gezwungen waren.

 

1746

Taglohn eines Meisters beim Kirchenumbau

in Böhringen                             26 x      =     13 ß       =     156 h                       »»»  für 1 Zentner Kernen  ›  6 Tage Arbeit

Taglohn eines Gesellen             24 x      =     12 ß       =     144 h                       »»»  für 1 Zentner Kernen  ›  6 ½ Tage Arbeit

Taglohn eines Handlangers       17 x      =       8,5 ß    =     102 h                       »»»  für 1 Zentner Kernen  ‹  9 Tage Arbeit

1888/1889

Taglohn eines Steinhauers                      2,50 Mark/Tag                        »»»  für 1 Zentner Kernen  4 volle Tage Arbeit

1985

Nettolohn                                             12,00 DM/Stunde                     »»»  für 1 Zentner Weizen  2 Stunden Arbeit

 

1876

Der Stundenlohn eines Arbeiters bei der Firma H. Otto in Unterboihingen betrug            0,20 Mark

1 Pfund Butter kostete              0,90 Mark   =     90 Pfennig                  »»»  für 1 Pfund Butter    4 ½ Stunden Arbeit

1 Pfund Rindfleisch                  9,45 Mark   =   945 Pfennig (???)          »»»  für 1 Pfund Rindfl.   ›  5 Tage Arbeit (?)

1 Liter Lagerbier                       0,08 Mark   =       8 Pfennig                  »»»  für 1 Bier                 ‹  ½ Stunde Arbeit

1 Schwarzbrot zu 4,5 kg            1,00 Mark   =   100 Pfennig                   »»»  für 1 Laib Brot         5 - 6 Stdn. (= ½ Tag)

1 Zentner Kohle                        1,00 Mark   =   100 Pfennig                   »»»  für 1 Ztr. Kohle        5 - 6 Stdn. (= ½ Tag)

1 Paar Arbeitsschuhe                7,00 Mark   =   700 Pfennig                   »»»  für 1 Paar Schuhe    ›  3 Tage Arbeit

1896

Der Stundenlohn betrug                 ca. 0,25 Mark

1 Kleiderschrank                       48,00 Mark   =   4800 Pfennig               »»»  für 1 Schrank          rund  16 Tage Arbeit

1 Küchentisch                           14,00 Mark   =   1400 Pfennig               »»»  für 1 Tisch               knapp  5 Tage Arbeit

1 Stuhl                                       3,00 Mark   =     300 Pfennig               »»»  für 1 Stuhl               gut       1 Tag Arbeit

                                              

Besoldung der Landsknechte

Die nachfolgenden Zahlen und Beispiele stammen aus: Baumann, Landsknechte, und waren seit etwa dem Ende des 15. Jahrhunderts bis um ca. 1620 gültig. Warum diese Besoldung hier angefügt wird, dürfte beim Lesen verständlich werden.

Die Basisbesoldung eines einfachen Landsknechtes betrug 4 fl pro Monat (vorher bis etwa 1480 am Bodensee 1 ½ Gulden im Monat = 18 Pf pro Tag) und galt ungefähr bis zum 30jährigen Krieg. Dabei muß beachtet werden, daß es, wie heute, auch damals schon eine Geldverschlechterung gab, durch die das Geld faktisch abgewertet wurde. Zu Beginn des Jahrhunderts waren 4 fl noch recht viel, der Sold betrug rund doppelt so viel wie der Verdienst eines Bauernknechtes oder eines Handwerksgesellen. Wobei anzumerken ist, daß letztere zusätzliche Leistungen von ih-rem Meister bekamen, wie z.B. Unterkunft, Essen und Werkzeug, während der Landsknecht sich selbst ernähren und erhalten mußte (Essen, Kleidung, Bewaffnung usw.). Dennoch konnte ein Landsknecht zumindest anfangs rund 2 fl pro Monat sparen. Kein Wunder, daß die Aussicht auf finanziellen Zugewinn nicht nur die jungen Männer zum Kriegs-handwerk lockte! Wie gesagt: Ausrüstung, Waffen und entsprechende Kleidung mußte der Landsknecht selbst be-zahlen. Es gab aber auch Zuschüsse von seinem Soldherren, z.B. den „Rock- oder Kleidergulden“, den „Rüstgulden“, das „Zehrgeld“ und das „Wartgeld“, die freilich fast immer nur als vorgeschossenes Darlehen gewährt wurden und hin-terher vom eigentlichen Sold wieder abgezogen wurden. Dieser Sold galt allerdings nur für Routinepflichten, wie bei-spielsweise den Marsch zum Bestimmungsort, den Wachdienst oder die Besorgung von Proviant. Für alle anderen, besonderen Anstrengungen versuchten die Söldner, besondere Zahlungen auszuhandeln, so das „Schlacht- oder Sturmgeld“. Dazu kam natürlich noch die Aussicht auf fette Beute bei den Kriegszügen. Das „Recht auf Beute“, das wohl im althergebrachten Fehderecht wurzelte, gehörte zum Selbstverständnis der Kriegsleute, sowohl der gemeinen als auch der adeligen. Ferner gab es Doppelsöldner hinsichtlich ihrer Funktion (Schreiber, Trommler, Pfeifer) oder ihrer Ausrüstung (Harnisch, Hakenbüchse, Bidenhänder = mit beiden Händen zu führendes Langschwert – wie im Stadtmuseum zu sehen). Diesen Einnahmemöglichkeiten eines jeden Landsknechtes stand etwas entgegen, dem fast jeder Landsknecht in seinem mehr oder weniger langen Soldatenleben erlag: der Spielsucht. Obwohl verboten, war vor allem das Würfelspiel in jedem Heer sehr weit verbreitet. Das führte sehr oft dazu, daß der einzelne seinen Sold verspielte, oft schon bevor er ihn überhaupt erhalten hatte! Das wiederum zwang ihn, bei seinem Soldherren zu blei-ben und darauf zu hoffen, seine Schulden irgendwann einmal abstottern zu können. . . Ein zweites, beinahe ebenso kostspieliges Laster war – es sei hier nur kurz angedeutet – die Trunksucht. . .

Dennoch verführte die vage Verheißung auf einen möglichen größeren Gewinn, der allein durch ihrer Hände Arbeit nie erreichbar gewesen wäre, in Verbindung mit der fast sicheren Aussicht auf Wagnis, Risiko und Abenteuer viele ein-fache Leute, egal ob jung oder älter, dazu, ihr bürgerliches Leben aufzugeben, alle Brücken hinter sich abzubrechen und sich auf einen Weg zu machen, dessen Ziel niemand kannte.

Die verschiedenen Führungsfunktionen in Regiment und Fähnlein (= Untereinheit, vergleichbar vielleicht mit einer heutigen Kompanie) waren selbstverständlich viel besser besoldet. Beispiele: Der Landsknecht-Obrist bekam 1300 fl, wofür er freilich seinen „Staat“ (= Troß mit Untergebenen, wie die schon erwähnten Schreiber, Pfeifer und Trommler) finanzieren mußte. Ein Hauptmannssold betrug das 10fache des normalen, also 40 fl monatlich, der seines Stell-vertreters, des Leutingers (= Leutnant), die Hälfte, also 20 fl. Auch der Fähnrich (ursprünglich der Fahnenträger) er-hielt 20 fl. Der Waibel (= Feldwebel) bekam immerhin noch 12 fl, Feldscher und Wundarzt (vergleichbar dem Sani-täter), Dolmetscher und Kaplan (!) erhielten den doppelten Sold.

Ein Langspieß kostete mindestens 1 fl, eine Sturmhaube 3, eine Hakenbüchse mindestens 3 ½, ein einfacher Kriegs-harnisch 12 fl. Die Ausrüstung selbst eines gewöhnlichen Kriegsknechtes war dementsprechend kostspielig! Und wenn man überschlägt, wieviele Menschen in einem großen Söldnerheer im Sold standen, läßt sich erahnen, daß diese Truppe einen ungeheueren Kapitalaufwand erforderte, der durch immer neue Kriegshandlungen erst einmal wieder „hereinkommen“ mußte!

Zum Vergleich die Einkünfte der Soldaten auf dem Hohenneuffen: Nach einer Akte vom 10. Dezember 1772 bekamen die namentlich genannten Knechte auf dem Hohenneuffen monatlich folgenden Sold: Hauptmann Spaeth 23 fl, Liut-nannt Keller 16 fl, Leutnant Bux 12 fl, Sergeant Urban 6 fl 30 x, Feldscheerer Steinhilber 5 fl, die Korporale je 15 fl, die Kanoniere je 5 fl, der Tambour 4 fl 15 x, 20/32 Gemeine summarisch 63 fl.

 

 

Literaturliste (Die Titel sind alle auch für sich allein lesenswert!)

 

Walter Bär – Der Neuffen, Geschichte und Geschichten um den Hohenneuffen, Neuffen 1992

 

Reinhard Baumann – Landsknechte, ihre Geschichte und Kultur vom späten Mittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg, München 1994

 

Johannes Cochläus – Kurze Beschreibung Germaniens, Brevis Germanie Discriptio (1512), Darmstadt 2010

 

Werner Frasch – Kirchheim unter Teck, Aus Geschichte und Gegenwart einer Stadt und ihrer Bewohner,

Kirchheim 19xx

 

Gerhard Hergenröder – Wendlingen am Neckar. Auf dem Weg zu einer Stadt. Die Geschichte von Wendlingen, Unterboihingen und Bodelshofen, Herausgeber: Stadt Wendlingen, Wendlingen 1992

 

Gemeinde Hülben (Hrsg.) – Hülben. Ein Gang durch die Geschichte, Hülben 1987

 

Dieter Kapff – Ursprung der Moneten, Stuttgarter Zeitung, Wochenendbeilage, 15. Januar 2011 (zur Einleitung)

 

Nürtinger Zeitung vom 3. August 1994, Schr. „Urkunden und Münzen als Zeugen der Zeit“

 

Hans Schwenkel (Hrsg.) – Heimatbuch des Kreises Nürtingen, Band I + II, Nürtingen 1950/1952

 

Stadtarchiv Kirchheim u.T. (Hrsg.) – Band 15 der Schriftenreihe des Stadtarchivs, Kirchheim 1992

 

Ernst Strähle – St. Gallus in Böhringen. Die Geschichte einer Dorfkirche. Herausgegeben von der Evang.

Kirchengemeinde, Böhringen 1985

 

aus Wikipedia: Teile der Geschichte der Münzen