Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

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Güterstein

1. Die Kartause Güterstein (nach Deigendesch)


Die Kartause Güterstein war eine Kartause bei Bad Urach. Der Name Güterstein taucht allerdings erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts in den Quellen auf. Sie erreicht man, wenn man bei der ehemaligen Station „Wasserfall" nach Südwesten ins „Maisental" abbiegt, dann nicht den Weg zum Uracher Was-serfall nimmt, sondern schräg rechts zu den Gestütsgebäuden abzweigt und dahinter den beschilderten Steig den Abhang hinaufwandert.

 


Zisterzienserzeit


Konrad von Urach, Kardinal und Generalabt der Zisterzienser, soll im frühen 13. Jahrhundert ein Klo-ster ad lapidem gestiftet haben, um das sich später auch sein Bruder Rudolf von Urach kümmerte. Die Quellenlage für diese frühe Zeit ist spärlich. Mit dem Ende der Stauferzeit, als sich die Grafen von Urach aus dem Ermstal zurückzogen, endete wohl auch die erste Phase des Klosters.


Benediktinerzeit


Offenbar wurde das Kloster von den Benediktinern der Abtei Zwiefalten übernommen und erlebte unter diesen eine Blütezeit. Für die Zeit um 1380 ist die Existenz der Marienkapelle in Güterstein be-legt, die von einer Propstei der Benediktiner betreut wurde und offenbar zu einem viel besuchten Wallfahrtsort wurde; außerdem wurde das Kloster durch seine Schirmherren, die Grafen von Würt-temberg, sowie den niederen Adel gefördert.

In diese Zeit fiel die folgende Stiftung, als Graf Eberhard III. von Württemberg („der Milde") alle kirchlichen Rechte von Eitel Speth aus Ehestetten erwarb und diese als Seelgerätstiftung für seine 2 Jahre zuvor verstorbene Frau Antonia Visconti der aufstrebenden Kartause Güterstein übertrug.


Kartäuserzeit


1439 endete die Zeit der Benediktiner in Güterstein aus politischen Gründen. Die Grafen Ludwig I. und Ulrich V. von Württemberg protegierten die Kartäuser, denen sie das Kloster in Güterstein über-lassen hatten und von denen sie sich Reformen in den Klöstern ihres Herrschaftsbereichs erhofften, so daß die Gütersteiner Grundherrschaft bald um Außenstellen in Ehningen im Gäu und um Entringen bei Tübingen erweitert werden konnte. Einfluß hatte der Orden über seine zahlreichen Patronats-rechte auch auf die Besetzung von Pfarrerstellen der Umgegend. Das Kloster war finanziell gesichert und wurde bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts deutlich ausgebaut.

Ab 1441/1442 war Güterstein die Grablege der Grafen von Württemberg, die nach der Teilung des Landes gemäß dem Nürtinger Vertrag den südlichen Teil des Gebietes beherrschten und in Urach residierten. Da zahlreiche Mitglieder der Herrscherfamilie in rascher Folge starben, kam das Kloster in den Genuß zahlreicher Stiftungen zum Totengedenken.

Doch nicht nur die Kirchenpolitik der Landesherren machte die Kartause bekannt.

Zwanzig Jahre nach der Ansiedlung der Kartäuser in Güterstein erhielt der Gütersteiner Prior in der Reformbulle des Papstes Pius II. den Auftrag der Klostervisitation.

In der Kartause Güterstein wurde geistliche Literatur, die sich auch an Laien richtete, verfaßt. Aus dem Jahr 1447 stammt das Geistliche Gespräch zwischen einer Fürstin und einer Krämerin, ein volks-medizinisches Buch, das das Interesse der Leser an medizinischen Themen ausnutzte, um auch geist-liche Inhalte zu vermitteln. Das Gespräch wurde schnell durch Abschriften verbreitet und tauchte bald auch in Augsburg und in Kirchheim im Ries auf.

In diese Zeit fiel eine weitere Stiftung, die wiederum mit Neuffen in Beziehung stand: 1456 verspricht Graf Ulrich V. dem Pfaffen Hans Hamman von Neuffen, der dem Meister Ulrich Wonha die Kaplanei in Bissingen überlassen hat, die nächste freie Kaplanei zu Kirchheim oder Neuffen. Ebenso verspricht der Graf 1465 dem Sohne des Kellers Konrad Hagen zu Nürtingen, Meister Johannes Hagen (studiert in Leipzig und Paris, gest. vor 1483), die Pfarrstelle zu Neuffen, wenn der Pfarrer Albrecht in die Kar-tause Güterstein ein eintritt, was ein Jahr später auch geschieht.

Wenig später (1468) kauften die Kartäuser zu Güterstein von Graf Ulrich einen „See zu Balzholz", den er von „einem von Tachenhausen", dem Truchseß von Neuhausen, erworben hatte. Ob damit einer der beiden heute noch durch Geländespuren in den Wiesen nachweisbaren Fischteiche „Im See" ge-meint ist, ist nicht ganz sicher – aber sehr wahrscheinlich.

Auch volkssprachliche Heiligenleben sowie ein gedrucktes Rosenkranzgebet entstanden in Güter-stein. Übersetzt wurde dort das Alphabetum divini amoris, das 1493 in Memmingen gedruckt wurde. Die Übertragung ins Deutsche besorgte Johannes Mickel, der 1508 in Güterstein starb. Eine weitere herausragende Persönlichkeit unter den Mönchen war der Mediziner Dr. Thomas Finck, der wahr-scheinlich mit dem Übersetzer Thomas de Heilprun identisch ist. Er starb gegen Ende des ersten Vier-tels des 16. Jahrhunderts.

Zum Diffinitorenkollegium des Generalkapitels gehörten die Gütersteiner Mönche Benedikt Eichel und Thilmann Mosenus; letzterer spielte auch bei der Auseinandersetzung der Kartäuser mit der einsetzenden Reformation eine nicht unbedeutende Rolle. Die Kartause Güterstein war innerhalb ihres Ordens schon wegen ihrer Größe – neben 20 Religiosenzellen verfügte sie noch über zehn wie-tere Zellen für Laienbrüder – einflussreich.

Die enge Bindung an die Grafen von Württemberg, die ihr darüber hinaus noch mehr Macht gesichert hatte, löste sich jedoch nach und nach wieder auf. Graf Eberhard V. gründete 1477 die Universität Tü-bingen und berief im gleichen Jahr die Brüder vom gemeinsamen Leben nach Urach, die im Gegen-satz zu den einsiedlerisch lebenden Kartäusern aktiv seelsorgerisch tätig waren. Beide Maßnahmen schränkten die Bedeutung der Gütersteiner Kartause wieder ein. Dennoch hatte sie durchaus noch Besitz, beispielsweise in Kohlberg, wo die Herrschaft nur den Zehnt von 15 Morgen erhielt, alle übri-gen Weingärten gaben nach wie vor an die Kartause Güterstein.

1535 setzte die Reformation dem Klosterleben in Güterstein ein Ende. Ein Großteil der Mönche siedelte in die Kartause Buxheim über, so daß ein Versuch, die Kartause Güterstein 1550/1551 wie-der zu beleben, zum Scheitern verurteilt war. Der einstige Prokurator der Kartause, Johannes Frey, konvertierte und wurde der erste evangelische Geistliche in Metzingen.


Bauwerke


Ein Pfleghof der Kartause ist noch heute in Urach zu sehen (Neue Straße 1), doch von der Kloster-anlage selbst ist an Ort und Stelle fast nichts erhalten. Sie bestand aus einer Marienkirche, einer Grabkapelle, einer Pilgerkapelle und den Wohn- und Wirtschaftsanlagen des Konvents. Im Zuge der Reformation wurden in den Jahren 1552 bis 1554 die Gebäude (Kloster und Kirche) größtenteils ab-getragen. Mit den Steinen wurden Baumaßnahmen auf dem Hohenneuffen und dem Hohenurach durchgeführt. Erhalten blieb zunächst noch die fürstliche Grablege. Ihre 1554 noch erkennbaren Überreste wurden nach Tübingen in die Stiftskirche überführt. Unter den erhalten gebliebenen Grab-mälern ist z. B. das der Erzherzogin Mechthild, das möglicherweise um 1450 von Hans Multscher ge-schaffen wurde. Nicht sicher belegt ist die Herkunft des Passionsaltars von 1512 in der Pfarrkirche in Oberstenfeld aus der Kartause Güterstein.

Die Nachbarschaft der Gütersteiner Wasserfälle machte den einstigen Standort der Kartause jedoch für spätere Nutzer attraktiv, zum einen wegen des Tuffsteins, der dort abgebaut wurde, zum anderen wegen des Quellwassers.

1715 wurde dort von Theodosius Ernst ein Wasserhebewerk eingerichtet, das den herzoglichen Foh-lenhof versorgte. Ein weiterer Gestütshof wurde wohl am Standort des einstigen Wirtschaftshofes des Klosters errichtet.


Literatur


• Roland Deigendesch, Die Kartause Güterstein. Jan Thorbecke Verlag, Leinfelden 2001, ISBN 978-3-7995-5239-4 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde. Bd. 39)

• Louise Pichler, Die Karthause. Verlag Otto Risch, Stuttgart um 1890, (Erzählungen für die Jugend und das Volk. Band 14, 2. Aufl.)

Buchbesprechung

• Roland Deigendesch: Die Kartause Güterstein Geschichte, geistiges Leben und personales Umfeld, Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 39

• An seinem Lebensabend stiftete der 1227 verstorbene Konrad von Urach, Kardinal von Porto und San Rufina, ein Kloster »zum Stein« im Schatten des Hohenurach, der Stammburg seines Hauses. Die Gründung scheiterte, und erst 150 Jahre später vermochte sich dort unter der Obhut der Benediktinerabtei Zwiefalten eine kleine Mönchsgemeinschaft dauerhaft zu etab-lieren. Durch Eingriff des weltlichen Vogtes kam schließlich 1439 mit den Kartäusern ein dritter Orden in den Besitz des Güterstein. Bis zur Aufhebung des Hauses in der Reformation (1535) erlangte es eine erhebliche Bedeutung für den kirchlichen Reformprozess innerhalb der Grafschaft Württemberg und nicht zuletzt für die Ausbildung volkssprachlicher geistlicher Literatur in Südwestdeutschland.

• Die Arbeit bietet erstmals eine auf breiter Quellenbasis beruhende Gesamtschau der Kloster-geschichte. Der Blick auf Bücher und Schriftproduktion der Kartäuser setzt den Konvent in Beziehung zu den Reformströmungen am Ende des Mittelalters. Durch die umfassende Aus-wertung des Gütersteiner Anniversars gewinnen Konvent und Wohltäter des Hauses Kon-turen. Dieses personale Umfeld zeigt das Kloster im Spannungsfeld zwischen religiöser Aus-strahlungskraft und den Bindungen an den Landesherrn.

• Wer sich näher für Güterstein interessiert, der ist mit diesem Buche sehr gut bedient.


2. Güterstein – Klöster in Baden-Württemberg (zum Vergleich und zur Ergänzung)


Einer späteren chronikalischen Notiz zufolge stiftete Kardinal Konrad von Urach (+ 1227) im Schatten der Stammburg Hohenurach ein Kloster „zum Stein" („ad lapidem"), das dem Zisterzienserorden, des-sen Generalabt Konrad war, zugehören sollte. Wegen des Rückzugs der Grafen von Urach aus dem Ermstal nach dem Ende der Stauferzeit vermochte sich dieses Projekt, dessen sich ab 1254 auch Kon-rads Bruder Rudolf angenommen hatte, nie richtig zu entwickeln. Nach etwa 150 Jahren ohne Quel-lennachricht erscheinen an dem nun Güterstein genannten Platz am Steilabhang der Schwäbischen Alb Benediktinermönche aus der Abtei Zwiefalten, die im Ermstal reichen Besitz hatte. An der Marienkapelle hatte sich zu unbekanntem Zeitpunkt eine Wallfahrt entwickelt, die eine dauernde geistliche Betreuung erforderte. Durch Stiftungen der Grafen von Württemberg, die die Schirm-herrschaft ausübten, und dem regionalen Niederadel entwickelte sich die rechtlich eigenständige Propstei rasch. Dem Wunsch der Grafen Ludwig I. und Ulrich V. von Württemberg, ein Kartäuser-kloster in ihrem Land zu errichten, wurde die Benediktinerpropstei 1439 geopfert. Dahinter steckten wohl territorial- ebenso wie kirchenpolitische Erwägungen der Grafen, die die für die Reform-bewegung der Zeit wichtigen Kartäuser ins Land holen wollten. Dafür waren sie auch bereit, wie-testgehend auf Einflußrechte zu verzichten. Die Kartäuser erhielten in der Folge eine Vielzahl von Stiftungen, so daß in Ehningen im Gäu und in Entringen bei Tübingen zwei neue Schwerpunkte der Gütersteiner Grundherrschaft entstehen konnten. Außerdem wurden bis um 1495 umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Das jährliche Einkommen des Klosters wurde 1525 auf 1.400 Gulden geschätzt. Durch den Besitz von zahlreichen Patronatsrechten erlangten die Kartäuser Einfluß auf die Besetzung von Pfarrstellen in der Umgebung des Klosters. Seelsorge selber auszuüben, war dem Orden indes nicht gestattet.

Als Kartause spielte Güterstein in dreifacher Hinsicht eine bedeutende Rolle für die Grafschaft Würt-temberg. Zunächst wurde das Kloster nach der Landesteilung 1441/42 Grablege der in Urach residie-renden Grafenfamilie und damit memoriales Zentrum des Landes. Zum zweiten erlangten die Prioren, in erster Linie Konrad von Münchingen (+ 1482) und Albert Hummel aus Donzdorf (+ 1501), eine erhebliche Bedeutung für die Reform der württembergischem Einfluß unterliegenden Klöster. In der entscheidenden Reformbulle Papst Pius' II. für Württemberg von 1459 wurde u. a. der Gütersteiner Prior mit dem Auftrag der Klostervisitation versehen. Drittens verweist das in Güterstein entstandene volkssprachliche Schrifttum auf die geistige Strahlkraft des Konvents. Mit dem 1447 niedergeschrie-benen „Geistlichen Gespräch zwischen einer Fürstin und einer Krämerin", deutschen Heiligenleben und einem gedruckten Rosenkranzgebet tut sich ein Spektrum geistlicher Literatur auf, das auf Trans-formation gelehrter theologischer Inhalte für ein Laienpublikum abzielt. Dies wird auch an einzelnen Konventualen ersichtlich. In Güterstein verbrachte der vormalige Augsburger Benediktiner und Bux-heimer Kartäuser Johannes Mickel (+ 1508) seinen Lebensabend, der den verbreiteten Traktat „Alphabetum divini amoris" ins Deutsche übertragen hatte (1493 in Memmingen gedruckt). Neuere Forschungen lassen vermuten, daß es sich bei dem Mediziner und in Güterstein als Mönch verstor-benen Dr. Thomas Finck (+ 1523/24) um den bedeutenden Übersetzer Thomas de Heilprun handelte.

Mit den von Graf Eberhard V. entwickelten eigenständigen kirchenpolitischen Ideen, die sich an der Gründung der Universität Tübingen und der Berufung der Brüder vom gemeinsamen Leben nach Urach (beides 1477) zeigen, ging die Bedeutung der Kartause zurück. Innerhalb des Ordens wurde der personell starke Konvent immer wieder zur Ergänzung und zur Visitation anderer Ordenshäuser herangezogen. Benedikt Eichel und Thilmann Mosenus wurden auch in das Diffinitorenkollegium des jährlich tagenden Generalkapitels gewählt. Mosenus erlangte überdies eine wichtige Rolle in der Aus-einandersetzung der Kartäuser mit der beginnenden Reformation in Südwestdeutschland. Vor der Vertreibung des Konvents in der Reformation (1535) gab es 20 Religiosenzellen und nochmals zehn für Laienbrüder. Die Mönche gingen nach Aufhebung der Kartause überwiegend nach Buxheim. Ein Restitutionsversuch 1550/51 scheiterte.

Die Klosteranlage, zu der neben Marienkirche, Zellenhäuschen und Gebäuden für das konventuale Leben auch eine Andreas geweihte Grabkapelle und eine abseits des Klosterbezirks errichtete Pilger-kapelle sowie Wirtschaftsgebäude gehörten, wurde nach der Reformation zur Gänze abgetragen. Die 1554 noch aufgefundenen Überreste der Gräber des Hauses Württemberg wurden in die Stiftskirche Tübingen verbracht. Bedeutend ist das Grabmal Erzherzogin Mechthilds (um 1450), das Hans Mult-scher zugeschrieben wird. In der Pfarrkirche Oberstenfeld befindet sich ein Passionsaltar von 1512, der aus Güterstein stammen könnte. 1715 entstand an der Stelle des Klosters ein Wasserhebewerk für den oberhalb gelegenen herzoglichen Fohlenhof. Unterhalb des Klosters, vermutlich an Stelle des klösterlichen Wirtschaftshofes, entstand ein weiterer Gestütshof, die heutige Anlage entstammt dem 19. Jahrhundert. In Urach hat sich bis heute der Pfleghof der Kartause erhalten. Roland Deigendesch


3. Gestütsgeschichte


Die Geschichte der herzoglichen Gestüte auf der Schwäbischen Alb reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Um 1490 ließ Graf Eberhard im Bart bei der Feste Hohenurach einen Fohlenhof und auf dem Oberfeld bei Marbach eine Dependance seines bei Tübingen gelegenen Hofgestüts Einsiedel errich-ten. Durch Verlegung des Oberfelder Pferdebestandes gründete Herzog Christoph zu Beginn der 1550er Jahre auf dem Areal des ursprünglich zur Burg Grafeneck gehörenden Hofes Marbach ein Gestüt, das zunächst auch der Hebung der Landespferdezucht dienen sollte. Für das Jahr 1559 ist erstmals ein Stutenmeister in Marbach nachgewiesen.

Neben Marbach ließ Herzog Christoph 1554 die Wirtschaftsgebäude der säkularisierten Kartause Güterstein bei Urach in einen Gestütshof umwandeln. Spätestens seit 1580 wurde auch das Gelände bei der abgegangenen Kapelle St. Johann als Fohlenweide genutzt. Einen weiteren Fohlenhof richtete man in dem 1575 aufgehobenen Dominikanerinnenkloster Offenhausen ein, das außerdem eine bis 1840 bestehende Maultierzucht beherbergte.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die herzoglichen Gestütshöfe in schwere Mitleiden-schaft gezogen. Güterstein und St. Johann wurden 1635 durch Brand völlig zerstört und erst um 1657 wiederhergestellt. Es bedurfte einer langen, beharrlichen Aufbauzeit, ehe die überwachsenen Wie-den gerodet und die Pferdezahlen den Vorkriegsstand wieder erreicht hatten. Wesentlichen Anteil an der Wiederbelebung und Reorganisation der württembergischen Pferdezucht hatte Lewin Freiherr von Kniestedt, der von 1672 bis 1710 das Amt des Oberstallmeisters innehatte. Zur Verbesserung der Landeszucht wurden unter seiner Leitung zahlreiche in- und ausländische Hengste erworben und 1685 ein Landgestüt eingerichtet. Am 31. Dezember 1687 erließ Herzog-Administrator Friedrich Karl die erste württembergische Beschälordnung, in der Körungen bindend vorgeschrieben waren, Zucht-pferde durften nicht außerhalb des Landes verkauft werden. Weitere Beschäl- und Landgestüts-ordnungen folgten im 18. und 19. Jahrhundert, in denen u. a. die Zahl der Beschälplatten festgelegt wurde.

Unter Herzog Karl Eugen (1744 – 1793) erlebte die Pferdezucht in Württemberg ihre größte Blüte. Als erfahrener Pferdeliebhaber und -kenner kaufte er auf seinen Reisen wertvolle Stuten und Hengste für seine teilweise neu gegründeten Gestüte (u.a. Englisches Gestüt Solitude; vgl. A 569 Bd. 2). Während seiner Regierungszeit soll die Gesamtzahl an Stuten und Fohlen in den herzoglichen Gestüten nahezu 700 Tiere betragen haben. Angesichts des mehrfachen Wechsels der Zuchtrichtung stand der Kosten-aufwand jedoch in keinem Verhältnis zum züchterischen Erfolg.

Während der 1750er und 60er Jahren bestanden die herzoglichen Gestüte aus folgenden Einrich-tungen: 1. Hauptgestüt Marbach, 2. Gestütshof Offenhausen, 3. Hengstfohlenhof Güterstein und 4. Stutenfohlenhof Einsiedel. Zu Beginn der 1770er Jahre unterstanden die Gestüte, die nun auch einen Hengstfohlenhof in Hinterburg und Randeck sowie ein englisches Gestüt auf der Solitude umfaßten, der Aufsicht eines Ökonomie-Inspektors.

Unter Karl Eugens Nachfolgern Ludwig Eugen (1793 bis 1795) und Friedrich Eugen (1795 – 1797) wurden die Gestütskosten eingeschränkt, der Pferdebestand reduziert und kleinere Gestüte aufge-löst. Im Jahr 1796 stand ein Land-Oberstallmeister und ein Gestüts-Kassier an der Spitze der herzog-lichen Gestüte (Hauptgestüt Marbach, Kloster Offenhausen, Urach und St. Johann, Einsiedel). Neben den Stuten- und Fohlenmeistern war bei den einzelnen Gestüten der örtliche Amtmann oder Keller als Gestüts-Oeconomie-Inspector tätig.

Nach den Wirren der Napoleonischen Kriege verlieh König Wilhelm I. (1816 – 1864) der Landes-pferdezucht neue Impulse, indem er durch Reskript vom 4. Februar 1817 die Trennung von Hof- und Landgestüt verfügte. Das Hofgestüt wurde nach Weil verlegt. Dem Landgestüt, das dem Ministerium des Innern unterstellt wurde, teilte man die Gestütshöfe Marbach, Offenhausen, St. Johann und Güterstein zu.


Bleichstetten an Güterstein


Im Jahre 1102 schenkte also nach dieser Urkunde ein Eberhard von Metzingen ganz Bleichstetten mit aller Zubehörde, samt den Einwohnern und mit der ganzen Markung, dem Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. Fast 290 Jahre lang gehörte Bleichstetten dann zu diesem Kloster. Erst 1390 verkaufte das Kloster Allerheiligen die Markung und das Dorf Bleichstetten an das Kloster (später Kartause) Güterstein bei Urach. Bleichstetten hatte damit ab 1390 wieder - wie vor 1102 - Lehens-Herren, die in seiner unmittelbaren Nähe waren. Die jährlich zu liefernden Abgaben blieben nun ganz in der Nähe.


Güterstein in Wittlingen


Bis zum 15. Jahrhundert sind die Grundherrschaft und der Grundbesitz wechselhaft und oft weit verzweigt. Erst im 15. Jahrhundert wurden die Verhältnisse klarer erkennbar. Nun treten neben Württemberg besonders die Speth und Probstei, seit 1439 Kartause Güterstein als Grundherren her-vor.


4. Hauptstaatsarchiv Stuttgart


1541 März 28 (Montag nach Letare), A 569 U 1


Bürgermeister, Gericht und Rat der Stadt Urach bekunden, daß sie der früheren Kartause Güterstein (Carthus zum Gueterstain) für die Dauer ihres Bestehens 20 Tagwerk Wald- und Rainwiesen, an der staig under dem Biesterstain[!] gelegen, überlassen hatten. Nach Aufhebung der Kartause durch Her-zog Ulrich von Württemberg suchte die Stadt Urach um Rückerstattung der Wiesen nach. Da man sich auf deren Abtrennung nicht verständigen konnte, schlossen die beiden Parteien folgenden Vergleich: Die genannten Wiesen verbleiben mit allen Rechten dem Herzog von Württemberg. Als Gegenleistung erhält die Stadt Urach 250 Gulden in bar. Außerdem wird ihr die Zahlung eines Zinses von 10 Gulden erlassen, der jährlich am St. Laurentiustag an Württemberg zu entrichten war und auf einem Kapital von 200 Gulden für eine Fronleichnamsmesse beruhte. Der betreffende Gültbrief wird der Stadt Urach ausgehändigt.


1541 März 28 (Montag nach Letare), A 569 U 2


Bürgermeister, Gericht und Rat der Stadt Urach bekunden, daß sie der früheren Kartause Güterstein (Carthaus zum Guterstain) für die Dauer ihres Bestehens 20 Tagwerk Rainwiesen und Baumgarten, an der Staig under dem Guterstain gelegen, überlassen hatten. Nach Aufhebung der Kartause durch Herzog Ulrich von Württemberg fielen die besagten Grundstücke mit allen Rechten an die Stadt Urach zurück, die sie nun für 450 Gulden an den Herzog verkauft. Die Verkäuferin erhält 250 Gulden in bar. Außerdem wird ihr ein Zins von 10 Gulden erlassen, der jährlich am St. Laurentiustag an Württemberg zu entrichten war und auf einem Kapital von 200 Gulden für eine Fronleichnamsmesse beruhte. Der betreffende Gültbrief wird der Stadt Urach ausgehändigt.


Lage: Bad Urach, Landkreis Reutlingen

Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart

Ordensregel: Zisterzienser (um 1226 - nach 1260 (?))

Benediktiner (vor 1370 - 1439)

Kartäuser (1439 - 1535) Gründung: 1439

Aufhebung: 1535

Permalink: http://www.kloester-bw.de/?nr=528

Diese Informationen habe ich zu einem großen Teil aus dem Internet; die Neuffen betreffenden Textstellen aus diverser Literatur.