Führungen

Von April bis Oktober regelmäßig an jedem 3. Sonntag im Monat nach der "Kirche im Grünen" gegen 11.45 Uhr, Dauer ca. 1 Std. 

Für interessierte Gruppen (Geburtstage, Hochzeiten, Jahrgänge, Jubiläen, Ausflüge, Schulklassen, Firmenveranstaltungen, etc.) bieten wir auch Führungen nach Vereinbarung an.
Schicken Sie uns eine Anfrage per Mail - wir melden uns bei Ihnen.

Die württembergischen Landesfestungen und der Hohenneuffen von 1534 bis 1800

Ausbau der Grafenburg (erweiterte Ritterburg) zu einer zeitgemäßen, modernen Festung

Ansicht Hohenneuffen_1250_Zeichnung_MediumEinerseits bedingt durch die Erfindung des Schießpulvers und dessen Verwendung in der Artillerie mit der Weiterentwicklung dieser Waffentechnik (weiterreichende Kanonen mit immer größerem Kaliber, durchschlagskräftigere Kugeln aus Stein und Metall) und andererseits zum Schutze des württembergischen Stammlandes, des mittleren Neckarraums, gegen Osten und Südosten, erfolgte ein größerer Umbau und Ausbau der Burg zu einer der 5 württembergischen modernen Landesfestungen - Hohentwiel, Hohentübingen, Hohenurach, Hohenneuffen (vgl. Hohenneuffen-Modell mit Beschreibung im Stadtmuseum Neuffen, Skizzen der verschiedenen Bauphasen im Buch von Walter Bär: Der Neuffen), Hohenasperg - und den 2 festen (= befestigten) Städten Kirchheim und Schorndorf. Der Ausbau wurde nach den damaligen modernsten Erkenntnissen der Festungsbaukunst vorgenommen, die erstmals bei der bayerischen Festung Ingolstadt und bei den hessischen Festungen Kassel und Ziegenhain angewandt wurden. Es dauerte mehr als 10 Jahre, bis der Hohenneuffen der neuen Waffen- und Verteidigungstechnik angepaßt war.

 

Kosten des Um- und Ausbaus vom Hohenneuffen

Unter Herzog Ulrich von Württemberg (1503 - 1550) wurden 15.670 Gulden (fl) verbaut und unter dessen Sohn, Herzog Christoph, Regent von 1550 bis 1568, zur Vollendung des Werks "als eine politische Notwendigkeit" weitere 16.799 fl. Für Hohenurach lauten die Zahlen insgesamt: 42.000 + 19.415 fl, für Kirchheim: 53.164 + 13.556 fl, für den Hohenasperg: 109.533 + 30.972 fl, für Hohentübingen: 110.052 + 20.984 fl, für den Hohentwiel unter Herzog Christoph: 44.897 fl und für Schorndorf: unglaubliche 197.313 + 81.153 fl. Allein hieraus ergibt sich eine Summe von rund 755.000 fl! Der jährliche, durchschnittliche Gesamtaufwand betrug (geschätzte) 40.000 fl. Das war somit rund 1/3 der Staatseinnahmen eines Jahres! Man darf sicher annehmen, daß ein Teil dieser Gelder auch aus der Verstaatlichung der Kirchengüter nach der von Herzog Ulrich veranlaßten Reformation stammte. Dabei war der Ausbau Kirchheims zur Festung eigentlich eine Fehlplanung. Denn seine Lage kann z.B. nach Hans-Martin Maurer "nicht als günstig bezeichnet werden, seine Befestigung ist fast ein Mißgriff zu nennen. Auch wäre eine Festung im viel verkehrsreicheren Filstal dringender gewesen als im Lautertal, von dem der Neuffen wenig entfernt liegt. Göppingen aber war nie Landesfestung." Die Bevorzugung Kirchheims durch Herzog Ulrich mag auf dessen besondere Beziehung zu dieser Stadt beruht haben.

Hier noch einmal eine übersichtliche Aufstellung der Kosten für den Ausbau aller Festungswerke, der zwischen 1534 und 1562, schwerpunktmäßig zwischen 1537 und 1542, erfolgte, wobei auffällt, daß der Hohenneuffen kostenmäßig am untersten Ende der Tabelle liegt (was sicherlich auch mit seiner natürlichen Spornlage zu tun hat):

 

       unter Herzog Ulrich      unter Herzog Christoph                       gesamt
Festung Hohenneuffen 15.670 fl  16799 fl 32649 fl
Festung Hohenurach 42.000 fl 19.415 fl 61.415 fl
Festung Hohenasperg 109.533 fl 30.972 fl 140.505 fl
Festung Hohentübingen 110.052 fl 20.984 fl 131.036 fl
Festung Hohentwiel ??? 44.897 fl 44.987 fl
Stadtfestung Kirchheim 53.164 fl 13.556 fl 66.720 fl
Stadtfestung Schorndorf 197.313 fl 81.153 fl 278.466 fl
Summe 527.732 fl 227.776 fl 755.508 fl

Diese Zusammenstellung verdeutlicht eindrucksvoll, welch enorme Summen die beiden Herzöge für den Ausbau ihrer 7 Festungen aufzuwenden bereit waren.

 

 

Die Baumaßnahmen auf dem Hohenneuffen im einzelnenAnsicht Hohenneuffen_1500_Zeichnung_Medium

Beim Umbau wurden die kleineren Ecktürme der Grafenburg durch die riesigen Rundbastionen, charakteristisch für die Festungsbaukunst der Renaissance, ersetzt: Neuffener Turm, Wachtstubenturm und Schwarzer Turm. Letzterer ist, im Gegensatz zu den beiden anderen, im Inneren hohl und diente als Zufahrt und Wendeplatte vor dem neuen Haupttor mit den daneben liegenden Wagenremisen. Der gesamte Zugang wurde somit vom Allewindeturm an die Nordseite des Berges verlegt. Er wurde auf 7 steinernen Pfeilern, die im Unteren Hof standen, in leichtem Bogen zum Schwarzen Turm geführt, dessen Auflage man heute noch erkennen kann. Die sie verbindenden Holzbohlen waren zum Teil abziehbar. Somit war der brückenähnliche Zugang zur inneren Burg auf einfache Art und Weise gesperrt. Zum Schutz dieser Brückenkonstruktion bekam der Untere Hof eine 1,70 m starke Ummauerung mit 2 kleinen Halbrundtürmen an den Ecken. Die beiden zur Albhochfläche hin stehenden Rundtürme waren massiv ausgeführt und dienten als Geschützstandort. Somit entstanden zwischen neuer, äußerer und alter, innerer Ringmauer Terrassen, worauf im Norden ein langer Kasernenbau mit Kirchlein, darunter 4 Kasematten, im Anschluß daran., an der Nordwestecke, ein Kornhaus mit Zisterne aufgeführt wurden. Im Osten, an der gefährdetsten Stelle, zwischen Neuffener und Wachtstubenturm, wurde der Obere Wall hochgezogen und mit Erde und Steinen hinterfüttert. Dadurch wurde verhindert, daß der eigentliche, innerste Burgbereich durch direkten Kanonenbeschuß zerstört werden konnte. Man ließ knapp unterhalb der Mauerkrone einen schmalen Umgang frei und überdachte ihn, den Patroulliergang. Das alte Tor im Allewindeturm, nun bar jeglicher Nutzung, wurde zugemauert; seine ursprüngliche Form ist noch sehr gut an den größeren, vermauerten Quadern ersichtlich. Im Inneren des Oberen Walles entstanden anstelle des ehemaligen offenen Zugangs 4 kleinere, zusammenhängende Kasematten, die durch den Unterirdischen Gang mit der zentralen Hofanlage verbunden waren. Der Neuffener Turm bekam eine Wachtstube und ein Pulvermagazin aufgesetzt, der Wachtstubenturm erhielt eine Bedachung für das feststehende Geschütz, das Kanonenhaus, samt einer Wachtstube in einem auskragenden Beobachtungserker, der auf 4 schräg stehenden Stützen ruhte.

Im Schmalkaldischen Krieg folgte die erste Bewährungsprobe für die neu ausgebaute, wohl verproviantierte Festung. Doch Veit Schöner, Burgvogt seit 1543, übergab sie ohne Not an die Kaiserlichen unter Herzog Alba und seine spanischen und kroatischen Truppen. Unbezwungen blieben – zunächst – die mit reichlich Lebensmitteln und Geschütz versehenen Festungen Hohenasperg und Hohentübingen sowie die festen Städte Schorndorf und Kirchheim.

 

Ansicht Hohenneuffen_1600_Zeichnung_MediumVorräte für eine Belagerung

Zur Verproviantierung der Stadt Kirchheim ließ Herzog Ulrich 1541 das heute noch bestehende steinerne Kornhaus erbauen. Seine Vorräte sollten im Kriegsfall einer Besatzung von 1.500 Knechten mit 100 Pferden für ¼ Jahr ausreichen. Sie hatten einen Wert von rund 6.000 fl. Bevoratet wurden u.a. 500 Scheffel Roggen (umgerechnet etwa 2.400 Zentner), 2.000 Scheffel Dinkel (4.975 Ztr.), 1.000 Scheffel Haber (2.488 Ztr.) und 61 Fuder oder 370 Eimer (ca. 1.080 hl) Wein. So große Vorräte waren auf dem Hohenneuffen natürlich nicht notwendig. Denn hier mußte nur eine vergleichsweise geringe Besatzung versorgt werden. Um das Jahr 1568 waren folgende (Lebensmittel-) Vorräte für 100 Mann und 50 Pferde auf der Burg: 66 ½ Scheffel Roggen (ca. 165 Ztr.), 267 Scheffel Dinkel (ca. 664 Ztr.), 455 Scheffel Haber (ca. 728 Ztr.), 1 Scheffel 5 Simri Gerste (ca. 3 ½ Ztr.), 1 Scheffel 5 Simri Erbsen (ca. 3 ¾ Ztr.), 6 ½ Simri Linsen (ca. 2 ½ Ztr.), 5 Scheffel Habermehl, 6 ½ Simri Haberkern, 182 Ztr. Fleisch, 3 Ztr. 25 Pfund Speck, 10 Ztr. Schmalz, 10 Fuder oder 60 Eimer Wein (ca. 176 hl), 12 Scheiben Salz, 90 Wagen Heu, 65 Fuder Stroh, dazu 2 ½ Ztr. Unschlitt (für Kerzen), ½ Ztr. Dochte – und (zunächst) 1 Esel! Letzterer hauptsächlich zum Wassertragen aus der am Nordhang gelegenen Quelle. Vgl. hierzu „Gewichte, Maße und Währungen".

Die Vorräte waren dennoch so reichlich bemessen, weil die belagerte Burg unbedingt autark sein sollte, d.h. man mußte all das, was man während einer strengen Belagerung brauchte und verbrauchte, bei der man aus der Burg weder heraus noch in sie hinein kam, vorher heraufgeschafft haben. Diese beschwerliche Aufgabe oblag den Untertanen in belastenden Frondiensten. Sie hatten den Transport für den Proviant für die Menschen und das Futter für die Tiere durchzuführen, aber auch für den Vorrat an Waffen, Munition und Hilfsmittel zur Verteidigung und eventuelle Ausfälle zu sorgen. Das größte Problem war allerdings die Versorgung mit Trinkwasser, nicht in Friedenszeiten, wohl aber in Kriegszeiten bei der schon erwähnten strengen Belagerung. Dieses war auch durch die Anlage von 2 Zisternen nicht wirklich zu lösen.

In Friedenszeiten war die Anzahl der Besatzung weitaus geringer. So ist für das Jahr 1556 eine ständige Besatzung von 13 Soldaten oder Gardiknechten unter dem Kommandanten, dem früheren Burgvogt, belegt.

Daß eine Belagerung nicht immer sehr rigoros gehandhabt wurde, weiß man von der mehr als 14 Monate dauernden Belagerung des Hohenneuffen während des 30jährigen Krieges. Ganz im Gegensatz zum Kommandanten von Hohenurach, Gottfried Holtzmüller, hielt der Kommandant vom Hohenneuffen, Johann Philipp Schnurm, sich und seine Soldaten den Belagerern gegenüber mit Bedacht zurück und konnte so noch längere Zeit im Tal den eigenen Proviant ergänzen, ja sogar drunten im Städtle noch sein Korn mahlen lassen!

 

Explosion des Pulvermagazins an der Westseite der Burg im Jahr 1549Ansicht Hohenneuffen_1800_Zeichnung_Medium

(Vgl. dazu das Hohenneuffen-Modell im Stadtmuseum Neuffen)

Durch Blitzschlag im April oder Mai explodierte der Pulverturm und riß ein beträchtliches Stück der zum Teil neu errichteten Mauern mit sich in die Tiefel Die Schäden nach der Explosion von 11 t Pulver durch Zerstörung der Mauern und der Vorräte wurden laut Rechnungsbüchern auf 1.600 fl geschätzt; außer Mauer- und Gebäudeschäden waren vernichtete Vorräte und Früchte zu beklagen, die im Zwerchhaus des Ritterhauses (Zeughaus) aufbewahrt wurden, und ein Weinlager in der „Kapelle". Ein am 24. 5. 1550 noch von Herzog Ulrich erlassener Befehl an die Obervögte und Forstmeister im Schwarzwald zur Lieferung von Tannenholz und an die Ober- und Untervögte der benachbarten Ämter zur Stellung von Steinmetzen, Maurern und Tagelöhnern dürfte sich auf die dazu notwendigen Reparaturarbeiten bezogen haben. Diese wurden von Baumeister Johann Hoesch geleitet. Die Bresche in der Jahrhunderte alten Ringmauer blieb jedoch – bis auf den heutigen Tag – unausgebessert! Diese Lücke in der Mauer gewährt heute dem Burgbesucher einen unvergleichlichen Tiefblick auf Neuffen und einen unvergeßlichen Rundblick aufs Schwabenländle.

Damit sich Ähnliches nicht wiederholen konnte, wurde unter Burgvogt Veit Schöner der Pulverturm auf die Ostseite der Burg, vor die eigentliche Festung, versetzt. Um eine Zerstörung durch feindlichen Beschuß zu erschweren, erhielt der Turm den Grundriß einer Raute, so daß mögliche anfliegende Kugeln an den beiden Seiten des Turmes nur in einem flachen Winkel auftreffen konnten.

 

Ansicht Hohneneuffen_1750_Zeichnung_MediumDer letzte Ausbau im 18. Jahrhundert

Der Vollständigkeit halber hier noch ein paar Fakten und Zahlen zur letzten, der barocken Ausbauphase der Festung. Als Herzog Carl Alexander die württembergische Landesverteidigung durch den Ausbau von Neuffen, Teck und Staufen modernisieren wollte, befahl als Kommandant Obrist Caspar Otto Ferdinand von Zabelditz auf dem Neuffen. Carl Alexander berief Ende Mai / Anfang Juni 1736 den aus Bern stammenden, von ihm zum Oberbaudirektor und Leiter des gesamten württembergischen Festungsbauwesen ernannten Johann Anton(i) Herbort, den er von Kriegen in Ungarn und Serbien kannte, zum Festungskommandanten für den Hohenneuffen und beauftragte ihn, den Neuffen auszubauen – in Anbetracht der politischen Situation, der geographischen Lage der Festung und der immer unwichtiger werdenden Bedeutung eines derartig befestigten Punktes eigentlich eine überflüssige, ja unsinnige Maßnahme!

Herbort, unterstützt von einer Kompanie Soldaten, den Häftlingen und einigen Maurern aus Tirol, versah die Festung mit Vorwerken. Diese bestanden aus einem Riegelsystem von quer zum Hang verlaufenden, ausgemauerten Gräben, kasemattierten Wällen, neuen Bastionen und schrägen Ebenen für ein freies Schußfeld (Glacis), ganz im Stile der französischen Festungsbaukunst unter Ludwig XIV. und dessen Baumeister Sébastian le Prestre de Vauban. Insgesamt wurden 2.845 Kubikklafter Raum umbaut (1 Klafter = rund 3,37 m3, also knapp 9.600 m3, so daß man ermessen kann, wieviel an Erdaushub und gesprengtem Stein- und Felsmaterial zu bewegen war. Nach dem plötzlichen Tod Carl Alexanders ging das Geld aus, und der Ausbau kam zum Erliegen.

Unter seinem Nachfolger Carl Eugen wurden die Arbeiten auf dem Neuffen kurzfristig noch einmal aufgenommen. Als letztes wurde das nach ihm benannte Torhaus am Fuße des Wachtstubenturms gebaut. Es ist inzwischen völlig abgegangen, und man kann es heute nur noch durch die Ausbuchtung rechts des Fahrweges und als dunkle Verfärbung der Dachkante an der Nordmauer erahnen.

Als aus Stuttgart erneut das Geld ausblieb, wurden die Arbeiten endgültig eingestellt, und damit begann der irreversible und unaufhaltsame Verfall der politisch und militärisch bedeutungslos gewordenen Festung, die den Herzögen rund 300 Jahre ihre Dienste geleistet hatte. Immerhin wurden bis dahin noch einmal 30.000 fl verbaut. Das Geld wurde jedoch anderweitig viel dringender gebraucht. Carl Eugen hatte ganz andere Präferenzen: er gründete das Schauspielhaus, die Kunstakademie, die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur (1758) und die „Hohe Karlsschule", wohl als Konkurrenz zur Universität Tübingen, und er ließ die Schlösser in Hohenheim und die Solitude (1763) sowie das Neue Schloß in Stuttgart erbauen. Neben der Vorliebe für Rokokobauten hatte der Herzog - wie so mancher seiner Vorgänger - noch zwei weitere, kostspielige Leidenschaften: zum einen die Jagd und zum anderen die Vorliebe für schöne Frauen, so daß fortan jedes rothaarige Landeskind unter dem Verdacht stand, von ihm abzustammen . . .

 

Die letzten Zuckungen . . .

Johann Adam Groß, der für die Wiederaufbaupläne Nürtingens - ebenso wie für die Tübingens - nach dem großen Stadtbrand von 1789 verantwortlich zeichnete, inspizierte 1751 den heruntergekommenen Hohenneuffen gründlich und kam zu einem für den Weiterbestand der Festung wenig schmeichelhaften, ja vernichtenden Urteil. Vor allem an der West- und Südseite sehe es "fürchterlich" aus. Trotzdem mußte sich Christian Friedrich Sattler, landeskundlicher Chronist Württembergs, in seiner "Historischen Beschreibung des Herzogthums Württemberg" von 1752 mit dem dürftigen Satz zum Hohenneuffen begnügen: "Die Stadt hat unweit davon auf einem hohen und gähen Berg eine Vestung, welche ziemlich fest ist und nebst der Vestung Hohen-Urach die Alb und Filder meistens übersichtet." Der Hohenneuffen mag in schlechtem Zustand gewesen sein. Dennoch bezogen laut den Kriegsartikeln vom 11. Februar 1758 seine Soldaten immer noch gutes Geld, so u.a. der kommandierende Oberstleutnant jährlich 600 fl Sold, der Leutnant 150 fl, der Zeugwart 60 fl, ein Gemeiner 24 fl. Hafer und Brot erhielten sie zwar nicht, dagegen alle 6 Jahre neue (Uniform-) Kleidung und Schuhe. Das war auch 1772 noch so. Nach einer Akte vom 10. Dezember bekamen die namentlich Genannten auf dem Hohenneuffen monatlich folgenden Sold: Hauptmann Spaeth 23 fl, Leutnant Keller 16 fl, Leutnant Bux 12 fl, Sergeant Urban 6 fl 30 Kreuzer (x), Feldscheer Steinhilber 5 fl, die Korporale je 15 fl, die Kanoniere je 5 fl, der Tambour 4 fl 15 x und 20 / 32 Gemeine die Summe von 63 fl.

In den Jahren 1792 und 1804 beschrieb Magister Philipp Ludwig Roeder, Pfarrer und Landeskundler um diese Jahrhundertwende, die Burganlage ziemlich genau, auch die Stärke der Besatzung, die kurz vor 1800 etwa 16 Soldaten betrug. Er stellte fest, daß die ehemals schöne Festung neuerdings in einem sehr baufälligen Zustand und es zu erwarten sei, daß sie bald das Schicksal Hohenurachs teilen und auch demoliert werde. Als die Armeen Frankreichs ganz Süddeutschland bedrohten, wurde die Festung wohl noch ein allerletztes Mal geflickt und einigermaßen in Verteidigungszustand versetzt. Es wäre jedoch eine richtige Ausbesserung dringend notwendig gewesen. Aber diese hätte 90 bis 100.000 fl gekostet. Eine Ausgabe, die sich nicht mehr gelohnt hätte, da die Festung bei der neuen Art der Kriegsführung nur noch ein Fossil aus vergangenen Zeiten darstellte und nicht mehr „zum Schutz und Trost der herzoglichen Lande angesehen werden könne".